Bedingungsloses Grundeinkommen – (m)eine Meinung

Beitrag zur Blogparade „Was würde ich tun, wenn …“

Bild: Vereint oder spaltet das bedingungslose Grundeinkommen die Gesellschaft? (Quelle: geralt auf pixabay)

Diesen Blogbeitrag schreibe ich für die Blogparade „Bedingungsloses Grundeinkommen – was würde ich tun, wenn …“ Alle, die diesen Beitrag lesen, sind herzlich eingeladen, ihre Meinung auf Facebook oder in den Kommentaren unten zu posten. Wie denken Eltern über das bedingungslose Grundeinkommen?

Eine Antwort auf diese Frage erhaltet ihr mit meinem Beitrag zu folgender Aufgabe:

„Stell Dir vor, im Sommer 2016 würde das bedingungslose Grundeinkommen in Deutschland eingeführt. Jeder Mensch ab 25 Jahren hätte ein Recht auf 1.000 Euro netto monatlich, ohne Bedingungen, ohne Gegenforderungen. Was würdest Du tun?“

1. Welche politisch-gesellschaftliche Einstellung hast Du bei dieser Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Wie kann ein bedingungsloses Grundeinkommen an die Bedingung „Alter ≥ 25 Jahre“ gekoppelt sein? Menschen mit Kindern müssten ihr Grundeinkommen dann mit ihren Kindern teilen – und hätten somit weniger als kinderlose Erwachsene. Vom Grundeinkommen erhoffe ich mir das Gegenteil: Entlastung für Menschen, die zeitgleich hohen zeitlichen und finanziellen Belastungen ausgesetzt sind – wie z. B. die Kindererziehung.

Ich fände es toll, wenn es ein wirkliches bedingungsloses Grundeinkommen gäbe: X Euro für jeden. Die eigentliche politische Diskussion sollte sein: Welche Sozialleistungen gibt es darüber hinaus? Viele Sozialleistungen könnte man in einem Grundeinkommen aufgehen lassen: Wohngeld, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Elterngeld, Rente … Manche dagegen müssen bleiben: Was ist mit Menschen, die nicht arbeitsfähig sind, also selbst nichts hinzuverdienen können, weil sie zu alt oder krank sind? Für sie muss weiterhin eine menschenwürdige Versorgung gesichert sein.

bedingungsloses Grundeinkommen

Ist ohne den Zwang, Geld verdienen zu müssen, das Leben ein einziger Urlaub? (Quelle: unsplash auf pixabay)

2. Würde das bedingungslose Grundeinkommen Deine persönliche Einstellung zu Arbeit verändern?

Ich mag meine Arbeit: In den ersten Lebensmonaten unserer Tochter war sie die reinste Erholung vom Muttersein. Ich glaube, ohne sie wäre ich weit weniger geduldig gewesen angesichts von schlaflosen Nächten, zwölf Stunden Stillzeit am Tag und unzähligen Laufkilometern mit Tragetuch.

Mittlerweile ist unsere Tochter wesentlich pflegeleichter. Manchmal würde ich gern Zeit mit ihr verbringen, wenn ich Aufträge und Deadlines habe. Ich würde nicht weniger arbeiten wollen, aber noch mehr selbst bestimmen, wann ich einen Text abgeben muss. Meine Projekte würde ich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen daher anders wählen: mehr die mit Zeitspielraum, weniger die mit Zeitdruck und entsprechendem Honorar.

3. Wenn Du einen Betrag festlegen könntest für Deinen persönlichen monatlichen Bedarf, wie hoch wäre dieser, damit Du Dein Leben frei von finanziellen Zwängen leben könntest?

Wie viel brauche ich zum Leben? Diese Frage ist schwierig, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit steigendem Einkommen auch meine Ausgaben steigen: Als Studentin gab es bei mir Aldi-Nudeln mit Sahnesoße, dreimal die Woche. Seit ich mehr verdiene, kaufe ich öfter Bio-Gemüse, Fairtrade-Bananen oder Öko-Spielzeug. Hätte ich noch mehr Geld, würde ich es gerne ausgeben für faire und ökologisch gefertigte Kleidung, konsequenter für tier- und umweltfreundlich produzierte Lebensmittel. Und wenn ich mir dies alles leisten kann und dann noch mehr bekäme, würde ich mir ein Passivhaus bauen lassen von Unternehmen, die der Gemeinwohlökonomie verbunden sind, und einen Entspannungstrainer engagieren.

Ihr merkt schon: Ein „Leben“ lässt sich schwer in eine Summe fassen. Allerdings bin ich mit meinem momentanen Lebensstandard ganz zufrieden: Mir fehlt es an nichts, ein Mehr an Geld, ihr habt’s gelesen, würde ich hauptsächlich dafür einsetzen, dass andere ebenfalls ein Mehr erhalten.

Ich denke, mit 2.000 Euro lebenslang (inflationsbereinigt) käme ich ganz gut hin, eingerechnet das Geld, das ich für mein(e) Kind(er) brauche, denn die erhalten ja nach obiger Definition von bedingungslosem Grundeinkommen nichts. Regulär gebe ich monatlich weit weniger aus, aber es gibt immer mal Sonderanschaffungen wie ein Auto – und ich denke auch immer daran, dass ich mal krank werden könnte. Nicht alles zahlt die Krankenkasse (und gibt es die eigentlich noch, wenn das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wird?). Reserven zu bilden, gehört zu meiner Persönlichkeitsstruktur.

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Für mein Gefühlsbarometer brauche ich Geld-Reserven. (Quelle: geralt auf pixabay)

Andererseits nutze ich erst wenige Möglichkeiten von Second Hand, Reparier- und Tauschwirtschaft: Wen ich stärker Produkte aus dieser Wert-Erhaltungs-Ökonomie kaufen würde, könnte ich sicher noch weniger ausgeben. Da ich ja kein Erbe für mein(e) Kind(er) erhalten muss, denn auch diese Generation bekommt ja ihr bedingungsloses Grundeinkommen später, könnte ich meine Reserven nach meinem Tod dem Staat zurückgeben – ich brauche sie dann ja nicht mehr.

4. Was würdest Du tun, wenn Du genau diesen Betrag bis zu Deinem Lebensende sicher erhalten könntest (es sei denn, es kommen Massennöte oder Krieg), wie würdest Du gern leben?

Zwei Dinge gibt es, denen ich mehr Zeit widmen würde, wenn die Erwerbsarbeit meinen Lebensrhythmus weniger bestimmen würde: Ich würde meine Freunde öfter sehen, die meist weiter weg wohnen, denn auch sie hätten dann ja potenziell mehr Zeit. Und ich würde mich einige Monate ausklinken und mal ein Buch zu Ende schreiben. Bisher landen alle halbfertig in der Schublade. Vielleicht aber entgehen der Welt dadurch ja ein paar anregende Lesestunden.

Mein Alltag würde sich also wenig ändern, aber ich würde mir öfter eine Auszeit vom Alltag gönnen. Und wahrscheinlich würde allein die Möglichkeit, dass ich mich ausklinken kann, mich meinen Alltag schon wieder viel stärker wertschätzen lassen.

5. Was bedeutet „Arbeit“ für Dich? Könntest Du Dir vorstellen, ganz frei von Arbeit zu leben und einfach nur noch zu genießen, was das Leben bietet?

Die meiste Arbeit, die wir im Leben leisten, wird nicht bezahlt: Kinder erziehen, Angehörige pflegen, unseren Haushalt führen, ehrenamtlich die Fußballmannschaft trainieren, einen Blog schreiben oder die lokale Politik mitgestalten. Viele von diesen Arbeiten definieren wir aber nicht als „Arbeit“. Arbeit ist für uns letztlich immer nur das, was Geld bringt: die Erwerbsarbeit.

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Ist wertvolle Arbeit nur die, die Geld bringt? (Quelle: geralt auf pixabay)

Die Erwerbsarbeit macht aber nur einen kleinen Teil dessen aus, was wir an Arbeit leisten – und das gilt sowohl für die Volkswirtschaft allgemein als auch für den einzelnen Menschen. Besonders Frauen werden für den Großteil ihrer täglichen Arbeit nicht entlohnt.

Wenn also die Erwerbsarbeit wegfiele, weil wir sie durch das bedingungslose Grundeinkommen nicht mehr tun müssten, bliebe da immer noch eine ganze Menge Arbeit. Vielleicht würde diese Arbeit nun stärker wertgeschätzt, weil die Erwerbsarbeit an Bedeutung für den Lebensunterhalt verliert.

Bisher ist es so, dass sich vor allem sozial gutgestellte Menschen ehrenamtlich engagieren. Diejenigen mit sozialen und finanziellen Problemen sind viel zu stark mit diesen beschäftigt und oft isoliert. Die Sicherheit eines bedingungslosen Grundeinkommens im Rücken könnte diese Menschen allein schon seelisch entlasten, sodass sie ihre Ressourcen langsam wieder einsetzen könnten für etwas anderes als die eigene Existenzangst. Vielleicht, so wünsche ich mir, würden diese Menschen sich dann ebenfalls gesellschaftlich engagieren – und so Wertschätzung und Freude erfahren.

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Nicht mehr hinter de Geld herhetzen zu müssen, könnte viele Leben entlasten. (Quelle: geralt auf pixabay)

Auch meine Erwerbsarbeit, obwohl ich gut von ihr leben kann, macht nur einen kleinen Teil meines Lebens aus. Glücklicherweise kann ich als selbstständige Texterin sehr viele Bereiche meiner Arbeit selbst beeinflussen. Deshalb empfinde ich sowohl sie als auch meine vielen ehrenamtlichen Aufgaben im Sportverein, bei den Klinikclowns, im Stadtteilbeirat und als Bloggerin als erfüllend. Dazu kommt die Erziehungsarbeit als Mutter und mein Anteil der Hausarbeit. Ich möchte keine von diesen Arbeiten aufgeben, im Gegenteil: Ich hätte noch ein paar Ideen, was ich noch gern tun würde.

Meinem Leben geben alle meine Arbeiten Sinn und Struktur. Manchmal jedoch würde ich die Arbeiten gern anders gewichten: Manchmal würde ich gern weniger als Texterin arbeiten, dafür mehr bloggen. Dieses Problem würde ein bedingungsloses Grundeinkommen lösen. Aber in Zeiten, in denen ich gerne mehr texten würde und weniger auf Spielplätzen herumstehen, da bringt mir das bedingungslose Grundeinkommen wenig.

6. Fazit

Insgesamt erhoffe ich mir vom bedingungslosen Grundeinkommen mehr Zufriedenheit für den Einzelnen, da er weniger durch den Lebensunterhalts-Zwang fremdbestimmt ist. Weiterhin hoffe ich, dass wir uns auf dieser Zufriedenheit nicht ausruhen, sondern aus ihr Kraft schöpfen, uns wieder mehr einander zuwenden, wenn die Notwendigkeit wegfällt, um die Erwerbsarbeit zu konkurrieren.

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Was für eine Welt wünschen wir uns? (Quelle: geralt auf pixabay)

Unser Leben heute wird viel zu sehr von wirtschaftlichen Aspekten bestimmt, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet und von wirtschaftlichen Denkstrukturen dominiert. Wir sollten uns öfter daran erinnern, dass der Mensch mehr ist als der Träger seines Geldbeutels.

2 Gedanken zu „Bedingungsloses Grundeinkommen – (m)eine Meinung

  1. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde meiner Meinung nach vielen Menschen mehr Lebensqualität bieten. Allein aus diesem Grund sollte das Thema nicht einfach Beiseite geschoben werden.

  2. Liebe Mareike, ich danke Dir so sehr für den Beitrag, der mir mal wieder noch neue Impulse hinzugibt! Denn tatsächlich ist es leider so, dass „soziales Engagement“ häufig vom Bildungsbürgertum ausgeht (zumindest in organisierter Form), da die wirtschaftlich Schwächeren nicht zu diesen Communities gehören, und eher als „Zu Betreuende“ angesehen werden, als als Partner. Könnte sein, dass ein Grundeinkommen das ändert. Denn gerade wirtschaftlich Schwache kümmern sich oft viel um Angehörige, Nachbarn, Freunde, ohne dass das gesellschaftlich gewürdigt wird. Mal abgesehen von den vielen alleinerziehenden Müttern (zu denen ich auch gehöre), die ohne Anspruch auf Gehalt für ihre Muttertätigkeit täglich kämpfen müssen, um im sozial anerkannten Milieu leben zu können. Toll, was Du alles machst und wie viel Du Dich engagierst! Meine Hochachtung!!!

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