Camping mit Kind – eine Frage der Überzeugung

Urlaubsform bietet viel Flexibilität für Familien mit Kindern

Bild: Camping mit Kind macht Familie Pruhs aus Rheine regelmäßig, seit Enna auf der Welt ist.

Naturnähe, Flexibilität und Freiheit – Begriffe, die eng mit einem Campingurlaub verbunden sind und immer mehr Menschen in diese Art des „Urlaubens“ locken. Seit 2006 wächst die Campingbranche jedes Jahr um 2,5 Prozent, verlautet der ADAC 2014. Fast jeder dritte Deutsche gibt an, diesen Urlaub zu favorisieren. Und es ist ein Trend, der auch Familien mit Kindern anlockt. Denn was gibt es Schöneres, als in den Ferien jeden Tag an der frischen Luft zu verbringen und dabei jede Menge Abenteuer erleben zu dürfen – und das bei Wind und Wetter. Verzicht auf Luxus? Muss bei Camping mit Kind nicht sein, denn die Campingplätze von heute bieten allen Luxus, den auch ein 5-Sterne-Hotel im Portfolio hat. Nur sein eigenes Bett, das bringen die Camper lieber selber. In manchen Fällen wohl nicht die schlechteste Wahl. (Ein Gastbeitrag von Meike Pruhs)

Camping gibt’s für jeden Anspruch

Die Flexibilität ist wohl das entscheidende Kriterium fürs Camping mit Kind. Sind Reisezeiten noch weitestgehend unabhängig von Ferienzeiten, können die Urlaubsorte je nach Wetterlage ausgesucht werden. Allein in Deutschland gibt es mehr als 2.800 Campingstellplätze, auf denen sich garantiert ein Plätzchen findet. Je anspruchsvoller der Camper in Sachen Lage, Ausstattung und Luxus, umso eingeschränkter ist natürlich die Platzauswahl. Da hilft im Vorfeld eine grobe regionale Vorstellung, eine Favoritenliste mit den Campingplätzen, die dann vor Ort angefahren oder begutachtet werden können. Wer nichts dem Zufall überlassen und für die gesamte Familie entsprechende Angebote vorfinden möchte, tut sich gut darin, den Traumcampingplatz vorzubuchen – bei dem einen oder anderen Campingplatz muss das sogar bereits ein Jahr im Voraus geschehen.

Camping mit Kind

Für Enna gehört „draußen“ zur „Wohnung“ dazu. © Pruhs

Schon die Anfahrt zum Campingurlaub individuell anpassen an Familienbedürfnisse

Flexibilität bietet sich auch in der Anreise zum Camping mit Kind. So können großzügig Zwischenstopps eingeplant werden, um das Reisen für alle (kleinen) Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Diese Zwischenstopps sorgen auch dafür, dass noch mehr Eindrücke und Erlebnisse gesammelt werden können. Gibt es während der Autofahrt Probleme, hilft oft eine Pause, die für alle Erholung bietet. Bin ich mit Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs, lassen sich sogar Übernachtungen an Rast- oder Campingplätzen einplanen.

Camping mit Kind

Eine Wiese, eine Stromquelle – fertig ist das Nachtquartier. © Pruhs

Anders in einem Flugzeug: Gerade mit Säuglingen kann eine Flugreise zur Tortur  für mich und auch für andere Fluggäste werden. Es gibt keine Möglichkeit auszuweichen, wenn die kleinen Urlauber mit dem Druckausgleich nicht zurechtkommen oder Übelkeit auftritt.

Spielkameraden sind beim Camping inklusive

Ist das Ziel erreicht, bieten sich vor Ort zahlreiche Möglichkeiten, das Camping mit Kind zu gestalten. Kinderbelustigung sowie -betreuung (Manko: meistens erst ab drei Jahren) und Animation bieten sich fast überall. In der Regel jedoch nur in der Hauptsaison. Hier hilft ein Blick auf die Homepages der Campingplätze oder in die ADAC-Campingführer, die darüber hinaus auch noch andere Bewertungskriterien auflisten. (Achtung, nicht alle Campingplätze sind hier gelistet.) Da zahlreiche Familien diese Urlaubsform wählen, finden sich auf Campingplätzen immer Gruppen von Kindern, die den ganzen Urlaubstag draußen verbringen – der wohl größte Vorteil am Camping mit Kind. Für die Erwachsenen gibt es inzwischen zahlreiche Wellnessangebote auf Campingplätzen. Darüber hinaus hat auch die Umgebung jede Menge Reize.

Camping mit Kind

So viel frishce Luft wie beim Camping bekommen Kinder wohl selten. © Pruhs

Ist Camping mit Kind günstiger?

Die Frage der Kosten: Es gibt die einen, die sagen, Campingurlaub ist günstiger als Urlaub im Hotel. Das ist nicht ganz richtig. Werfe ich die laufenden Jahreskosten für einen Wohnwagen oder gar für ein Wohnmobil in die Waagschale, nehme noch die Spritkosten und die Preise für die Luxusvariante eines Campingplatzes hinzu, kann es auch schnell teurer werden als ein Pauschalurlaub auf Mallorca in der Nebensaison. Und nicht außer Acht zu lassen: Vor Ort muss ich mich natürlich selber verpflegen. Es ist wohl eher die Überzeugung von all den oben genannten Vorteilen, die hier zählt. Gute Sparmöglichkeiten bietet jedoch ein Winterurlaub mit Skifahren. Hier sind Campingplätze häufiger die günstigere Wahl als teure Hotels in namhaften Skigebieten.

Camping mit Kind

In diesem Wohnzimmer ist es egal, wie viele Haare der Familienhund verliert – fegen muss keiner. © Pruhs

Für Unentschlossene: Ein Test hilft!

Wer noch nicht einschätzen kann, ob Camping mit Kind DIE Urlaubsobsession der nächsten Jahrzehnte wird, sollte das Ganze einfach einmal testen. Entweder man startet mit dem eigenen Zelt, mietet sich im Heimatort Caravan oder Wohnmobil oder greift auf die Mietvarianten am Urlaubsort zurück (hier geht natürlich das Thema Flexibilität in der Anreise verloren). Wer gleich kaufen möchte, findet einen sehr großen Gebrauchtmarkt mit Caravan und Wohnmobilen jeder Größe, Preisklasse, jeden Alters und Zustandes. Wichtig:

  • unbedingt vorher überlegen, welcher Grundrisse (mit oder ohne Etagenbetten, Festbett, Rundsitzgruppe etc.) passen könnte (beim örtlichen Caravanhändler Kataloge einsammeln und reinschauen),
  • unbedingt die Gefährte vor Ort begutachten,
  • jemanden mitnehmen, der sich mit dem Thema auskennt (schnell kann der Gebrauchtkauf auch zum Alptraum werden, Thema: Feuchtigkeit)
  • und die Anforderungen an das Zugfahrzeug berücksichtigen.
Camping mit Kind

Auch im Urlaub das eigene, gewohnte Rad dabei zu haben, ist einer der Vorteile beim Camping. © Pruhs

Achtung: Gepäckbeschränkung gibt’s auch beim Camping!

Wer dann endlich die Reise antritt, bedenke die unterschiedlichen Wetterlage, mit denen man vor Ort konfrontiert wird. Je nach der Differenz zwischen Leergewicht und zugelassenem Gesamtgewicht des Anhängers (bitte unbedingt beachten), können die Reisenden deutlich mehr Gepäck einplanen, als bei einer Flugreise. Gerade mit Kindern ist das ein absoluter Vorteil, wenn Gummistiefel, dicke Jacken, Unmengen an Wechselklamotten und auch Spielzeug zum Reisebegleiter werden.

Ein Tipp: Lebensmittel in Konserven oder Flaschen müssen heute nicht mehr mit auf Reise gehen und kostbaren Platz in Beschlag nehmen. Es gibt jede Menge Lebensmittelgeschäfte vor Ort, europaweit. Listen, was alles zum Camping mit Kind mitgenommen werden kann, gibt es unzählige im Internet. Hier eine kleine Auswahl, die sich allerdings auf das Zelten beschränken: Kids Away Reise und Urlaub mit Baby und Kind und Bergzeit Magazin.

Camping mit Kind

Familie Pruhs vor ihrem Wohnwagen. © Pruhs

(Meike Pruhs, Texterin in Rheine, ist mit ihrem Mann Daniel seit 2010 in einem Wohnwagen unterwegs. War es erst ein Bürstner Ventana 500 TS, ist es jetzt ein Dethleffs Camper 560 RFT. Die beiden werden seit Oktober 2015 von Tochter Enna und von Beginn an auch von Labradorhündin Lissy begleitet. Die Familie ist fast jedes Wochenende mit dem Caravan unterwegs und bereits 14 Tage nach der Geburt von Enna ging es auf einen Wochenend-Camping-Trip. Kein Problem, denn der Wohnwagen bietet genug Staumöglichkeiten, sich auf alles vorzubereiten. Meike brachte das Campingfieber mit in die Familie. Ihre Kindheit verbrachte sie schon mit ihren Eltern in Zelt und Caravan. Eine bessere und flexiblere Urlaubsform kann sie sich nicht vorstellen. Im Sommer und auch im Winter geht es für die Familie aus Rheine auf große Campingtour.)

 

2 Gedanken zu „Camping mit Kind – eine Frage der Überzeugung

  1. Wir haben in en 80iger Jahren den Familiencampingplatz Esens-Bensersiel (direkt am Hafen entdeckt). Damals noch mit Containern für Duschen und Toiletten. Heute durch hochwertige Sanitärhäuser deutlich aufgewertet.
    Ein Platz für Familien (ohne Hund)
    – flacher Strand
    – eine Villa Kunterbunt für die Kinder
    – Schwimmbad – wenn mal wieder Ebbe ist
    und alles liegt vor dem Deich – also so gut wie nie einen Mückenstich.
    Auf die Pampers haben wir unsere Campingplatzadresse geschrieben und unsere Kinder gingen nie verloren.
    Sicher auch heute noch ein guter Tipp
    http://www.bensersiel.de/camping/der-campingplatz/

    Gruß Jürgen K. Niehues

  2. Super Beitrag !
    Hab Ihn gerne gelesen.

    Vielleicht kommt ja ab und an mehr von Dir.
    Liebe Grüße, ebenfalls aus Rheine
    🙂

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