Dr. Peter Lüttmann: „Meine Söhne halten mich nicht für prominent“

Interview mit Rheines Bürgermeister zu seiner Person als Rheinenser, Bürgermeister und Vater I

Bild: Dr. Peter Lüttmann im Interview mit mir

Dr. Peter Lüttmann ist Bürgermeister von Rheine und Vater von zwei Söhnen. Das Stichwort „Miteinander“ zieht sich durch sein Leben: Seine Familie ist ihm wichtig, beruflich hatte er meist mit sozialen Fragen zu tun und sein Motto ist „Für ein anderes Miteinander“. Seit Monaten ist er viel unterwegs in der Stadt, steht ständig in der Zeitung – aber was für ein Mann ist Dr. Peter Lüttmann eigentlich so? Das wollte ich im Interview herausfinden und stelle darin auch Fragen, die ihr mir mitgegeben habt.

Dr. Peter Lüttmann

Dr. Peter Lüttmann © Pressestelle Stadt Rheine

Ich erscheine überpünktlich (eine Macke) in zerknittertem Blazer: Am Tag zuvor musste ich wieder mal die Entscheidung treffen zwischen Bügeln oder Mittagessen. Dr. Peter Lüttmann ist akkurat gekleidet, aber er arbeitet ja schließlich auch gerade, ich bin in meiner Freizeit hier. Er holt mich persönlich auf dem Flur ab und nimmt mich mit in sein Büro. Er schenkt mir ein Wasser ein. „Sie schicken mir ja den Text noch mal zu, dann muss ich jetzt nicht so darauf achten, was ich sage“, sagt er und schmunzelt. Natürlich kriegt er den Text, bevor ich ihn veröffentliche: Journalistische Interviews werden dem Interviewten immer im Wortlaut vorgelegt. Jedenfalls bei seriösen Medien.

Während des Interviews sieht Dr. Peter Lüttmann immer mal wieder aus dem Fenster, aber groß nach Antworten suchen muss er nicht: Es wirkt spontan, wenn er antwortet, und tatsächlich redet er, wie’s gerade kommt. Auf mich macht er einen authentischen Eindruck, die Atmosphäre ist entspannt. Ich bin allerdings auch nicht hier für ein politisches Streitgespräch. Ich will mit dem Menschen Dr. Peter Lüttmann reden.

Dr. Peter Lüttmann

Der Rheiner Bürgermeister mag es, dass er auf dem Markt in Rheine Bekannte trifft. © Pressestelle Stadt Rheine

Als Zugezogene habe ich das Gefühl, Rheine ist nicht gerade mit Lokalpatrioten gesegnet. Dr. Peter Lüttmann dagegen ist von Rheine nie so richtig losgekommen. Was an Rheine mögen Sie besonders – abgesehen von Ihrer Familie und Ihren Freunden, die natürlich hier leben?

Dr. Peter Lüttmann: Ich bin dann wohl ein Lokalpatriot. An Rheine gefällt mir besonders die übersichtliche Größe. Ich steh auf diese Mittelstadt. Ich kann mit dem Fahrrad alles erreichen, und wenn ich am Wochenende durch die Stadt oder über den Markt gehe, treffe ich Bekannte. Unser erster Sohn ist ja in Münster geboren, der zweite in Rheine. Alles, was in Münster so hochgelobt wird, haben wir doch hier auch, z. B. eine hochspezialisierte Kinderklinik, die Frühförderung für Kinder, musikalische Früherziehung und viele andere Angebote. Und wenn man mal Lust auf eine größere Stadt hat, dann liegt Rheine strategisch günstig. Münster, Osnabrück und Enschede sind nicht weit und man kann von hier einen Tagesausflug zur Nordsee machen. Rheine muss sich hinter Münster nicht verstecken.

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Die Salinen sind beliebte Ziele für Ausflüge. © Pressestelle Stadt Rheine

Was an Rheine halten Sie für besonders erhaltenswert für Familien?

Bentlage und der Naturzoo sind so Highlights, die wir auf jeden Fall erhalten sollten. Rheine hat auch viele schöne grüne Ecken, den Waldhügel zum Beispiel. Auch die Infrastruktur für Familien ist gut: Bei den Kitas müssen wir noch mehr Plätze schaffen und wir bieten alle Schulformen an.

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In Bentlage gibt es Wald und Wiese zum Spielen und Spazierengehen. © Pressestelle Stadt Rheine

Ihre Familie hat Ihre Entscheidung für die Kandidatur unterstützt – wie finden es denn ihre Söhne jetzt, einen prominenten Papa zu haben?

Meine Söhne halten mich nicht für prominent, solange ich nicht im Dschungelcamp auftauche. Natürlich habe ich keine 40-Stunden-Woche, aber zuhause bin ich Papa.

Sie sind als Bürgermeister auch Chef. Was sagen Sie einem Mitarbeiter, der Vaterzeit nehmen möchte?

„Genießen Sie die Zeit!“ Ich denke, er trifft die richtige Entscheidung. Ich glaube, wir können das bei uns in der Verwaltung so organisieren, dass er auch mit gutem Gewissen gehen kann.

Als Ihre Söhne geboren wurden, gab es das Elterngeld noch nicht. Würden Sie nächstes Jahr noch einmal Vater, würden Sie Vätermonate nehmen?

Ich glaube, es würden eher Väterwochen … vielleicht zwei Vätermonate … Ich traue mir schon zu, die Verwaltung so zu organisieren, dass es funktioniert. Für einen längeren Zeitraum wäre das aber schwierig.

Als Ihre Söhne geboren wurden, hatten Sie die Möglichkeit der Elternzeit noch nicht – hätten Sie sie im Rückblick gern gehabt?

Damals habe ich das mit meinem Jahresurlaub abgedeckt, gerade am Anfang kurz nach der Geburt. Aber nach drei Wochen war der dann vorbei. Und die erste Zeit mit Kind ist ja nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, das ist ja auch eine anstrengende Zeit. Ein längerer Zeitraum – ja, das wäre schön gewesen …

Dr. Peter Lüttmann

Die Elternzeit ermöglicht es Vätern, Zeit mit ihrem Nachwuchs zu verbringen und dabei finanziell stabil zu bleiben. (Quelle: reneasmussen auf pixabay)

Eine Diskussion in der Müttergruppe waren mangelnde oder weitgehend unbekannte Rückzugsmöglichkeiten in der Rheiner Innenstadt zum Stillen. Im Sommer kann man in die Dionyskirche gehen, im Winter ist das etwas kalt.

Die Stadt Rheine bietet ja den Elternratgeber als Download an, da sind zumindest Wickelmöglichkeiten aufgeführt. Aber Stillen … hm …Vielleicht sollte ich das Thema mal mit dem Innenstadtverein besprechen.

Ist als Vater ja auch nicht so Ihr Thema. – Beruflich, so sind Sie erzogen worden, stellen Sie hohe Ansprüche an sich. Haben Sie diese Ansprüche auch an sich als Vater?

Wenn man beruflich stark engagiert ist, hat man ja immer irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil man meint, zu wenig Zeit mit den Kindern oder der Familie zu verbringen. Ich denke, wir sollten uns auch nicht ständig unter Druck setzen, immer der perfekte Vater, die perfekte Mutter sein zu wollen. Wir wollen ja auch nicht perfekte Kinder, sondern glückliche Kinder. Wir sollten uns nicht zu viel zumuten, das erzeugt Stress. Auch meine Eltern haben mich nicht unter Druck gesetzt, aber es war immer klar, dass es um meine Zukunft geht. Ich habe eben gelernt: Von nix kommt nix – ich muss schon was tun.

Und die Unterstützung meiner Eltern war da schon sehr wichtig, gerade als die Kinder noch kleiner waren. Meine Eltern wohnen auch heute nicht weit von uns, bei der Kinderbetreuung waren und sind sie eine große Unterstützung: Wenn was ist, können unsere Kinder eben ihre Großeltern anrufen und wissen, in ein paar Minuten kommt jemand. Das hat natürlich nicht jede Familie.

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Großeltern sind eine enorme Entlastung für eine junge Familie, wenn sie sich mit um die Kinder kümmern. (Quelle: fujidreams auf pixabay)

Ihr Beruf erfordert großen Einsatz, Ihre Familie ist Ihre Hauptfreizeitbeschäftigung. Haben Sie einen Tipp für Eltern, wie die Balance gelingt zwischen einem zeit- und energie-intensiven Beruf und den Bedürfnissen der Familie?

Man ist ja selbst bei seiner Zeiteinteilung dabei, ich denke, da muss man Schwerpunkte setzen und sich Zeit nehmen. Frau Heilemann (Dr. Peter Lüttmanns Sekretärin, Anm. d. Bloggerin) bucht meine Termine für sieben Tage in der Woche, weil ich ja auch samstags und sonntags unterwegs bin. Da muss ich schon private Termine eintragen und auch mal sagen: Stopp, den Samstag brauche ich jetzt mal für mich und meine Familie. Einen ganzen Tag freizuhaben, ist bei mir zwar eine Ausnahme, aber irgendwann muss ich ja auch mal den Kopf frei bekommen. Und wenn ich dann ab und zu mal merke: Ich hab gerade eine Stunde, dann packe ich die Laufschuhe aus – zum Glück kann ich hin und wieder flexibel sein.

Natürlich zahlen Eltern einen Preis für ihre Berufstätigkeit. Und ich bin kein Verfechter der These von der Qualitätszeit. Man muss schon auch etwas Alltag miteinander verbringen – und das geht nicht in 30 Minuten pro Woche. Aber der Tag hat nur 24 Stunden und die muss jeder für sich so verteilen, dass keiner zu kurz kommt.

Von der persönlichen Herausforderung zur gesellschaftlichen: Wo sieht Dr. Peter Lüttmann familienpolitisch in Zukunft die größten Herausforderungen auf Rheine zukommen?

Familienpolitik wird oft auf Bundesebene entschieden. Als Familienvater sage ich, dass sich Familien in Rheine vor allem wohlfühlen müssen. Dazu gehören gut ausgestatte Schulen und Kitas, aber auch eine attraktive Innenstadt – Stichwort: Aufenthaltsqualität. Unsere Innenstadt sollte so gestaltet werden, dass Eltern auch Ruhepunkte finden, wenn sie mit dem Kinderwagen unterwegs sind, und Kinder Spielangebote im Kernbereich der Innenstadt bekommen.

Dr. Peter Lüttmann

Der Spielplatz am Falkenhof ist zu weit weg von den Einkaufsstraßen.

Da kommen wir zu der Bemerkung, die ein Vater mir in dieses Interview mitgegeben hat: In der Innenstadt gibt es keinen ordentlichen Spielplatz.

Das stimmt, der Spielplatz am Falkenhof ist zu weit weg. Wir brauchen etwas Zentrales, ich könnte mir da den Staelschen Hof vorstellen. Wenn wir eine Lösung für Hertie finden, dann müssen wir auch den Staelschen Hof aufwerten und dazu gehören dann auch Spielmöglichkeiten. Ich bin in regelmäßigem Austausch mit dem Innenstadtverein, der das auch so sieht.

Um weitere politische Fragen geht es in Teil II des Interviews, vor allem zu den Kitas in Rheine. Der Teil folgt morgen. Bis dahin freue ich mich auf eure Kommentare oder Posts auf Facebook!