Kind da – Eltern doof?

Eltern- und Familienbildung in Rheine am Beispiel der FBS

Bild: Mit einem Kind ändert sich das komplette Leben schlagartig. (Quelle: Unsplash auf pixabay)

Wenn man das Wort „Elternbildung“ hört, könnte man meinen, dass mit der Geburt des Kindes aus zuvor normalgebildeten Erwachsenen plötzlich bildungsbedürftige Menschen werden: Brauchen Eltern heute tatsächlich eine spezielle Bildung, um als solche bestehen zu können? Haben wir das Elternsein verlernt? Nein, gerade so ist der Begriff Elternbildung nicht gemeint, erfahre ich in einem Gespräch mit Ulrike Paege, Leiterin der Familienbildungsstätte (FBS) Rheine und verantwortlich für deren Programm zur Eltern- und Familienbildung in Rheine. Sie selbst hat zwei Töchter im Alter von 17 und 19 Jahren.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Ulrike Paege ist selbst Mutter zweier Teenager und leitet die Familienbildungsstätte in Rheine (FBS).

Den Begriff „Elternbildung“ zu erweitern um den Begriff „Familienbildung“, ist wichtig: „Eine Familie sind die Personen, die sich um das Kind kümmern“, sagt Ulrike Paege, „das ist nicht immer Vater-Mutter-zwei-Kinder, sondern das sind auch Patchwork-Familien, Alleinerziehende oder die Großeltern.“ Das Angebot zur Eltern- und Familienbildung in Rheine dient der Familienbegleitung und -unterstützung, damit das Leben in der Familie besser gelingt. „Eltern oder Familien müssen kein Problem haben, damit sie unsere Angebote wahrnehmen können“, sagt sie.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Lebt, wie ihr euch wohlfühlt! So lautet die Botschaft der FBS an Famlien. (Quelle: amyelizabethquinn auf pixabay)

Eltern tragen die Kompetenz des Elternseins in sich

Die Eltern- und Familienbildung in Rheine zielt deshalb auch nicht darauf ab, Eltern mit Lektionen oder gar Prüfungen zu begegnen. Das Team der FBS ist kein Lehrerkollegium, das nach Bestehen eines Kurses eine Art Elternführerschein ausstellt. „Die meisten tragen die Kompetenz des Elternseins in sich, trauen sich aber manchmal nicht, darauf zu vertrauen“, sagt Paege. „Deswegen ist es uns ganz wichtig zu sagen: Ihr müsst nicht alles perfekt machen, sondern einen Weg finden, wie es euch miteinander gut geht.“ Dass Eltern sich in manchen Situationen ohnmächtig oder gestresst fühlen, kann sie verstehen: „Wenn Handlungsspielräume fehlen und Eltern nicht mehr weiterwissen, helfen die Anregungen und der Austausch in unseren Kursen.“ Und das oft, bevor die verzweifelte Situation eintritt.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Familienbildung beginnt für die FBS schon vor dem Kind – mit der Stärkung der Paarbeziehung. (Quelle: Idesignstudio auf pixabay)

Apropos Kurse: Was zählt denn alles zur Eltern- und Familienbildung in Rheine? Die FBS als katholische Einrichtung beginnt schon vor Geburt des Kindes mit Angeboten zur Stärkung der Paarbeziehung. Ist das Kind dann auf der Welt, finden Eltern in zahlreichen Eltern-Kind-Kursen Anregungen für das Leben mit Kind und können sich mit anderen Eltern austauschen – das bekannteste Kurskonzept für das erste Lebensjahr ist wahrscheinlich PEKiP. „Hier werden Netzwerke geknüpft zwischen Menschen in derselben Lebenslage“, sagt Paege – darauf kommen wir später noch zurück. Im Gespräch mit den Pädagogen der FBS erhalten Eltern auch die Sicherheit, dass Kinder nicht funktionieren müssen und die Gruppe es auffängt, wenn ein Kind an einem Tag mal nur herumschreit oder sogar kratzt und beißt.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Für Babys im ersten Jahr ist ein bekanntes Angbeot der PEKiP-Kurs. (Quelle: PublicDomainPictures auf pixabay)

Erlebnispädagogische Kurse der Eltern- und Familienbildung in Rheine besonders bei Vätern beliebt

Darüber hinaus gibt es Kurse, in denen Eltern die Zeit mit ihrem Kind besonders wertvoll gestalten wollen. „In den Vater-Kind-Kursen haben wir vor allem erlebnispädagogische Angebote wie Geocaching oder Piratentage“, nennt Paege ein Beispiel. „Eltern“ werden hierbei breit gefasst: Ob leibliche Eltern, Pflegeltern, Tageseltern, Großeltern – alle sind willkommen. Ein spezieller Fall sind die Gruppen für Flüchtlingsfamilien „Aktion ZusammenSpiel“: Sie dienen dazu, den Kindern den Schritt in die Kita oder die Schule zu erleichtern.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Flüchtlingskinder werden in den FBS-Kursen auf die Kita oder Schule vorbereitet. (Quelle: Arooma auf pixabay)

Dann wieder gibt es Kurse für die ganz praktische Bewältigung des Familienalltags: Wer bisher immer nur in der Firmenkantine gegessen hat, stellt vielleicht plötzlich fest, dass er gar nicht kochen kann, um eine Familie gesund zu versorgen. „Deswegen haben wir Kochkurse für Frauen wie Männer und auch gleich mehrere Männer-Koch-Clubs, die sich regelmäßig treffen, mit Männern unterschiedlichster Altersgruppen“, erzählt Paege. Manche Familien stellen wiederum fest, dass es ganz schön teuer ist, für ein schnell wachsendes Kind ständig neue Kleidung zu kaufen – da kommt ein Nähkurs gerade richtig, der zeigt, wie man vieles auch selbst machen kann. Und dann kommt auch noch Weihnachten, das Kind bekommt ein Smartphone geschenkt – und Mama und Papa sehen sich plötzlich gezwungen, Experten für App-Stores und Sicherheitseinstellungen zu werden.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Erlebnispädagogische Angebote kommen besonders bei Vätern gut an. (Quelle: rudyanderson auf pixabay)

Stressfaktor Beruf schafft auch Freiräume für Eltern- und Familienbildung in Rheine

Viertens sind da die Kurse innerhalb der Eltern- und Familienbildung in Rheine, in denen auch Eltern mal wieder Zeit für sich in Anspruch nehmen – und anschließend entspannt in die Familie zurückkehren. „Orientalischer Tanz ist gerade wieder ganz aktuell“, sagt Paege mit einem Blick auf das dicke Programmheft der FBS, das allerdings immer nur einen Ausschnitt zeigt – sämtliche frei zugänglichen Kurse stehen im Internet. „Generell gibt es keine Einschränkungen: Was Eltern sich wünschen, bieten wir an“, sagt Paege. Sie bekommt Impulse für die Eltern- und Familienbildung in Rheine durch neue Themen, die durch die Medien gehen, oder direkt von Eltern. „Da mittlerweile viele Eltern ab dem ersten Geburtstag des Kindes wieder arbeiten gehen, verändert sich der Bedarf an unsere Kurszeiten“, gibt sie ein Beispiel, „viele Kurse finden daher nachmittags statt.“

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Wenn Mama im Kurs für Orientalischen Tanz Kraft tankt, ist Papa derweil für die Kinder da. (Quelle: Pezibear auf pixabay)

Dass beide Eltern arbeiten, empfinden viele Familien als Stressfaktor. „Es schafft aber auch Freiräume“, sagt Paege mit Blick auf ihre eigene Mutter: Frühere Generationen waren durch das Alleinverdiener-Konstrukt finanziell schlechter aufgestellt, was die Frauen durch Gemüseanbau im Garten oder Näharbeiten für die Familie ausglichen. „Da hatte seltener jemand Zeit, um Kurse zu besuchen und sich das Wissen oder auch die Rückmeldung zu holen, die man gebraucht hätte.“

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Früher hatten die wenigsten Frauen Zeit, um sich weiterzubilden – z. B. zu Familienthemen. (Quelle: dahmenj auf pixabay)

Netzwerke über die Familie hinaus sind wichtig für Eltern

Rückmeldung holten sich die Familien früher vor allem von den älteren Verwandten. „Diese Rückbindung an die eigenen Eltern gibt es heute auch“, sagt Paege, „aber die Netzwerke sind nicht mehr so eng, weil Familien wegziehen müssen und die Oma dann nur noch telefonisch am Familienleben teilnehmen kann.“ Da sind wir wieder beim Stichwort Netzwerke: Sie sind unheimlich wichtig für Eltern, damit sie sehen: Anderen geht’s genauso. Oder: Ach, so machen die das! Das könnte ich auch mal probieren …

Für Familien ohne Netzwerke bietet die FBS das Projekt „wellcome: Wer ein Schreikind hat oder einen Partner, der öfter auf Montage ist, und keine Familie oder engen Freunde vor Ort, für den wird schon der Friseurbesuch zum Drahtseilakt oder der Arztbesuch mit zwei Kindern zum Stressfaktor. „Da tut es gut, wenn ein wellcome-Engel kommt und für ein bis drei Stunden das Kind nimmt, damit eben z. B. der Friseurbesuch entspannt allein genossen werden kann“, sagt Paege. „Die wellcome-Engel sind Frauen, die ihre Kinder bereits groß haben und ehrenamtlich ihre Zeit an Eltern mit einem Kind im ersten Lebensjahr verschenken. Sie können Antworten geben in Erziehungsfragen oder auch einfach mal sagen: Du machst das gut so, wie du das machst!“

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Damit die Mutter nicht immer allein ist mit dem Kind, gibt es das Projekt „wellcome“ für Familien ohne Netzwerk. (Quelle: maribu auf pixabay)

Familiesein gemeinsam erleben mit anderen

Also: Die Eltern- und Familienbildung in Rheine ist keine Beratung für Familien mit Problemen, dafür gibt es die Ehe- und Familienberatung des Bistums Münster, der Caritas oder auch die Erziehungsberatung der Caritas. Die Eltern- und Familienbildung in Rheine schafft vielmehr Räume, in denen Familien sich gemeinsam mit anderen erleben unter dem Motto: Kath. Familienbildung in Rheine: Lernen. Lachen. Leben.

Eltern- und Familienbildung in Rheine

Wer selbst noch keine Geschwister hat, trifft in den Kursen der FBS auf andere Kinder. (Quelle: sathyatripodi auf pixabay)

Und die Eltern- und Familienbildung in Rheine schafft noch etwas, darauf weist Monika Leiferling hin, die die Spielgruppen der FBS betreut und zwischenzeitlich zum Gespräch hinzugekommen ist: „Für Einzelkinder oder das älteste Kind noch ohne Geschwister sind unsere Kurse oft die einzige Gelegenheit, Erfahrungen in der Gemeinschaft mit anderen Kindern zu sammeln.