Fliegen mit Kindern

Wie kommen eure Kinder sicher und ihr entspannt im Urlaub an?

Bild: Fliegen mit Kindern kann anstrengend sein – hier ein paar Tipps. (Quelle: gustavmelin0 auf pixabay)

In meinem letzten Artikel habe ich euch Tipps gegeben, wie eure Kinder sicher fliegen. Nun erhaltet ihr hier einige dazu, wie ihr den Flug und das Drumherum gut organisiert bekommt.

Fliegen mit Kindern

Ob euer Kind reif fürs Flugzeug ist, beurteilt ihr am besten selbst. (Quelle: qimono auf pixabay)

Einige der Tipps sind wahrscheinlich auch für Langstreckenflüge hilfreich, aber ich beziehe mich eigentlich auf typische Urlaubsflüge wie ans Mittelmeer. Daher fehlen Tipps, die für Kurzstreckenflüge nicht relevant sind.


Überfordert euch nicht beim Fliegen mit Kindern!

  • Schätzt realistisch ein, ob euer Kind schon so weit ist, mit euch zu fliegen. Kinder dürfen ab dem 8. Lebenstag fliegen, aber wenn man nicht gerade ein royales Baby ist mit Staatsterminen in Neuseeland und einem Privatjet, muss das ja nicht sein.
  • Achtung: Pro Kind unter zwei Jahren braucht ihr einen mitfliegenden Erwachsenen. Alleinerziehende mit zwei Kleinkindern müssen also Opa oder Freundin mitnehmen.
  • Je länger der Flug, desto anstrengender für das Kind – und euch. Bucht daher in den ersten Lebensjahren lieber nahe Urlaubsziele.
  • Bucht Flugzeiten, die ihr entspannt wahrnehmen könnt. Kinder um zwei aus dem Tiefschlaf zu reißen, um den Flieger um sieben zu erwischen, provoziert müde, quengelige Kinder …
  • Nehmt einen Flughafen, den ihr bereits kennt. Und reist auf einem Weg an, den ihr ebenfalls kennt. Ob ihr entspannter mit Bahn oder Auto ankommt, hängt von der Wegstrecke, den Flug- und Fahrtzeiten, dem Charakter euerer Kinder und eurem Gepäckaufkommen ab.
Fliegen mit Kindern

Bei kleinen Kindern sollte das Reiseziel nicht allzu weit weg sein. (Quelle: rhythmuswege auf pixabay)

Bereitet euch auf den Flug vor!

  • Beantragt bei Auslandsreisen Kinderreisepässe mit biometrischem Foto: Kinder werden heute nicht mehr im Reisepass ihrer Eltern eingetragen und der Kinderausweis ist nicht mehr gültig. Das gilt auch für Babys!
  • Reserviert euch a) Sitzplätze für alle beieinander und b) am Fenster – das geht meist bis 48 Stunden vor Abflug. Fensterplätze sind spannend für die Kinder. Und sicherlich wollt ihr nicht verstreut im Flugzeug sitzen, sondern bei euern Kindern. Selbstverständlich ist das nicht! Achtung: Die Plätze an den Notausgängen sind für Familien tabu. Hier braucht man handlungsfähige Erwachsene zum Bedienen der Türen.
  • Bucht Kindermenüs. Bei Allergien fragt nach Möglichkeiten, die Gerichte entsprechend zu gestalten.
  • Informiert euch über ein sicheres Rückhaltesystem für euer Kind im Flugzeug und meldet es an – wie viele Tage vor Abflug, sagt euch eure Fluggesellschaft!
  • Erzählt euren Kindern altersgerecht, was sie am Flughafen und im Flugzeug zu erwarten haben. Ein Buch kann dabei helfen. Schaut es euch gemeinsam vorher ein paar Mal an.
  • Spielt Flugzeug zuhause: Mama ist der Kapitän, Papa die Stewardess und das Kind der Passagier – die Rollen können natürlich getauscht werden. So lernt das Kind die Regeln für den Flug (oder auch für den Check-In vorher) und erkennen im Flugzeug typische Sätze wieder wie „Bitte stellen Sie die Rückenlehnen in eine aufrechte Position!“.
  • Lasst euer Kind beim Kinderarzt für flugtauglich erklären. Sollte es kurz vor der Abreise Anzeichen von Erkältung oder Ohrenschmerzen zeigen, dann noch mal hin und abklären lassen.
  • Checkt schon am Tag vorher ein, wenn das möglich ist. Dann seid ihr das Gepäck los und könnt am Reisetag sofort zur Passkontrolle durchgehen. (Von Rheine aus als Nicht-Flughafen-Stadt etwas schwierig, aber wer weiß: Vielleicht verbringt ihr die Nacht vor dem Abflug vom DUS ja noch bei Oma in Düsseldorf?)
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Sobald die Schalter geöffnet werden, bilden sich hier lange Schlangen. (Quelle: Barni1 auf pixabay)

Packt intelligent!

  • Auch wenn ihr wirklich nur das Nötigste eingepackt habt, mit Kindern ist das noch immer eine Menge. Verteilt die Dinge gleichmäßig auf die erlaubten Gepäckstücke (siehe Reiseinformation) und wiegt die Koffer, damit ihr nicht am Flughafen noch umpacken oder gar nachzahlen müsst.
  • Packt ins Handgepäck alles, was eure Kinder im Urlaub auf keinen Fall nicht dabeihaben sollten – ein Koffer kann immer mal verloren gehen! D. h. das Lieblingskuscheltier ist im Handgepäck, ebenso Medikamente, Impfpass …
  • Was ansonsten ins Handgepäck gehört: Windeln, Feuchttücher und Plastikbeutel für Schmutzwindeln, Essen und Trinken für die Kinder (bei Babynahrung und Kindergetränken gilt nicht die 100-ml-Grenze), Spiele, Schnuller, Ersatzkleidung für kleine Malheurs. Wichtig: die Dokumente! Reisepässe, Impfpässe, ggf. Papas Implantat-Pass.
  • Bereitet etwaige Milchfläschchen schon vor: Milchpulver abgemessen hineingeben und abgekochtes, passend temperiertes Wasser aus der Thermoskanne hinzufügen. Für ältere Kinder nehmt Getränke in Flaschen mit, die nicht schmieren (z. B. Sportflaschen).
  • Nehmt einen Klapp-Buggy mit, in dem ihr euer Kind gegen Verlorengehen fixieren könnt, an den ihr ggf. noch Gepäck dranhängen könnt und den ihr mit ins Flugzeug nehmen könnt. Achtung: Manchmal könnt ihr den Buggy nicht im Handgepäck verstauen, sondern gebt ihn am Flugzeugeingang ab und bekommt ihn erst am Gepäckband wieder.
  • Kinderwagen, Autositz (sofern ihr sie nicht im Flugzeug braucht) und Babyreisebetten fliegen kostenfrei als Carry-On-/Sonder-Gepäck mit. Ggf. müsst ihr sie noch mal gesondert als Sperrgepäck an einem anderen Schalter aufgeben und vorher mit einer großen Mülltüte verpacken. Und sollte mal doch nur ein Gepäckstück erlaubt sein, dann klebt einfach zwei ganz fest mit Klebeband zusammen – schon ist es eins.
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Die Wege am Flughafen sind lang für kurze Kinderbeine – selbst an kleineren wie hier DUS. (Quelle: Josch13 auf pixabay)

Sorgt für Wartezeiten vor beim Fliegen mit Kindern!

  • Nehmt Spielzeug und (ausnahmsweise) Süßigkeiten mit, um eure Kinder bei Laune zu halten: auf der Fahrt zum Flughafen, beim Warten auf dem Flughafen, im Flieger, beim Warten am Gepäckband, auf der Fahrt ins Hotel … Geeignet sind Rosinen oder Weingummi – Schokolade eher nicht.
  • Geeignet zur Beschäftigung sind Bücher – besonders neue! Außerdem Reisespiele oder kleine Spielchen auf dem Smartphone oder Tablet (z. B. Sound Touch fürs iPhone, 3,99 Euro im Apple Store). Spiele sollten nicht so kleinteilig sein, damit sie beim Runterfallen nicht sofort verloren gehen.
  • Babys bekommen ihre Gläschen, Fläschchen oder die Brust, ältere Kinder am besten mundgerechte Happen: Würstchen, Käse- und Butterbrotwürfel, vorgeschnittene Gurken, Äpfel oder Birnen, Weintrauben, Möhren, Kekse, Müsliriegel – und hier und da eine Leckerei für Krisenmomente.
  • Jagt eure Kinder vor dem Abflug durch den Flughafen: Spielecken, Aussichtsplattform, lange Gänge – macht sie müde, damit sie im Flieger vielleicht sogar schlafen.
  • Nutzt das Pre-Boarding geschickt: Familien dürfen in der Regel zuerst an Bord. Schickt ein Elternteil mit dem Handgepäck und dem Kindersitz vor, damit er/sie alles schon mal verstauen und vorbereiten kann. Der andere Elternteil kommt dann ganz zum Schluss des Boardings mit den Kindern nach. Sie haben dann mehr Zeit, sich auszutoben, und müssen nicht so lange im Flieger auf den Start warten.
Fliegen mit Kindern

Wartezeiten lassen sich z. B. auf der Aussichtsterrasse verkürzen. (Quelle: ciggy1 auf pixabay)

Geht entspannt durch den Check-In!

  • Der Check-In besteht aus Gepäckaufgabe und Sicherheits-Kontrolle. Achtung: Die Wege am Flughafen sind lang, Kinderbeine kurz! Plant genug Zeit ein.
  • Zuerst sucht ihr euer Abflugterminal und den Schalter eurer Fluggesellschaft, sofern ihr nicht online eingecheckt habt (siehe Reiseunterlagen und Anzeigetafeln im Flughafen). Am Schalter erhaltet ihr gegen Vorlage eurer Pässe und Reiseunterlagen eure Bordkarten und gebt euer Gepäck auf. Habt ihr alles dabei und richtig gepackt, geht das schnell. Überprüft hier noch mal alles: Sitzplätze, Menüwahl …
  • Natürlich müssen nicht alle zum Schalter: Einer von euch erledigt das (inklusive Warteschlange), der andere schnappt sich die Kinder und besichtigt den Flughafen. Prüft nur vorher, ob jeder von euch sein Handy dabei hat, damit ihr euch wiederfindet.
  • Eure Bordkarte sagt euch, zu welchem Gate ihr müsst, wann das Boarding beginnt und wo im Flieger ihr sitzt. Außerdem klebt euer Gepäckaufkleber am Ticket – den auf keinen Fall verlieren! Sollten eure Koffer verschwinden, könnt ihr sie nur mit dem Aufkleber wiederfinden.
  • Nun geht’s zur Sicherheits-Kontrolle: Haltet eure Pässe und Bordkarten griffbereit.
  • Zeigt Medikamente, Babynahrung und Kindergetränke vor. Achtung: Auch wenn ihr den Brei normalerweise selbst kocht, nehmt heute Gläschen aus dem Supermarkt. Es geht schneller, wenn die Beamten nur die Etiketten lesen und nicht den Inhalt der Gläser erst probieren müssen …
  • Zieht eure Schuhe, Gürtel, Jacken und Mützen aus, nehmt alles aus den Taschen, legt euren Schmuck ab – das alles kommt zusammen mit dem Handgepäck in die Kisten auf dem Transportband.
  • Habt ihr vorher schon mal Flughafen gespielt, hat euer Kind auch keine Angst, wenn es allein durch das „Tor“ (Metalldetektor) gehen muss oder Teddy plötzlich im „Fernseh-Tunnel“ (Handgepäckkontrolle) verschwindet.
  • Nach dem Sicherheits-Check könnt ihr im Duty-free-Shop einkaufen, noch was essen, auf die Toilette gehen (am besten noch mal kurz vorm Boarding, denn im Flugzeug dürft ihr erst wieder, wenn der Flieger sicher in der Luft ist). Achtet nur darauf, dass ihr rechtzeitig am richtigen Gate seid – manchmal ändert sich kurzfristig die Nummer. Also auf Ansagen und Tafeln achten!
Fliegen mit Kindern

Gerade mit Kindern lohnt es sich, kurz vor dem Boarding noch einmal schnell auf die Toilette zu gehen. (Quelle: Unsplash auf pixabay3)

Seid gelassen im Flieger!

  • Solltet ihr tatsächlich keine zusammenhängenden Sitzplätze bekommen haben, sprecht die Stewardessen an oder allein reisende Erwachsene, ob sie den Platz tauschen wollen. So könnt ihr trotzdem beim Kind sitzen.
  • Schaltet alle elektronischen Geräte für den Start aus – auch Smartphones: Der Flugzeugmodus allein reicht nicht!
  • Erzählt euren Kindern schon vor dem Fliegen, dass die Kabinenbeleuchtung flackert, kurz bevor es losgeht. Das ist der Moment, in dem die externe Stromversorgung beendet wird und der Flugzeug-Generator übernimmt. Eure Kinder werden gespannt dasitzen und auf das Flackern warten.
  • Ebenfalls spannend: Das Knallen beim Schließen der Kabinen- und Gepäcktüren. Auch ein Zeichen für: Gleich geht’s los.
  • Und warum rumpelt es so, kurz nach dem Abheben? Das ist das Fahrwerk, das jetzt eingefahren wird: Start geglückt!
  • Eure Kinder merken, wenn ihr nervös oder ungeduldig seid – dann sind sie’s auch. Also: Gelassen bleiben und Mit-Passagiere und Stewardessen um Unterstützung bitten. Ihr sitzt schließlich alle im selben … Flugschiff.
  • Esst abwechselnd, damit einer die Hände frei hat, um eurem Kind beim Essen zu helfen. Das ist nämlich schon für Erwachsene knifflig auf so engem Raum. Also nicht gleich schimpfen, wenn was daneben geht.
  • Schläft euer Kind, wenn das Essen kommt, lasst es schlafen: Bittet darum, das Essen später serviert zu bekommen.
  • Trinken eure Kinder nicht aus eigenen Flaschen mit Saugverschluss, lasst ihnen die Becher nur halb füllen – das beugt Malheuren vor.
  • Sagt der Kapitän an, dass das Reiseziel bald erreicht ist, geht noch mal schnell mit den Kindern auf die Toilette: Landen kann schon noch eine halbe Stunde dauern. Dann Tische und Rückenlehnen hochklappen und Gurte anlegen – aber die solltet ihr ja sowieso während des gesamten Flugs geschlossen halten.
Fliegen mit Kindern

Wenn einer von euch beim Pre-Boarding für Familien mit dem Handgepäck vorgeht, spart ihr euch das Gedrängel. (Quelle: Unsplash auf pixabay2)

Beugt Flugbeschwerden vor!

Druckausgleichsbeschwerden: Ohrenschmerzen

  • Lasst eure Kinder bei Start und Landung nuckeln (Daumen, Schnuller, Ersatz-Schnuller, Ersatz-Ersatz-Schnuller, Nuckelflasche), schlucken (Stillen, Flasche, Getränk) oder kauen (Kaugummi, Brot …). Achtung: Fangt damit erst unmittelbar vorher an, nicht dass eure Kinder schon satt oder sitt sind, bevor es ernst wird.
  • Nehmt Nasenspray mit für den Notfall: Sollte die Nase eures Kindes z. B. von der trockenen Klimaanlagenluft im Flieger vor der Landung zusitzen, dann könnt ihr Abhilfe schaffen.
  • Wenn euer Kind schreit, haben zwar alle Vorsichtsmaßnahmen versagt – aber wenigstens das Schreien hilft jetzt: Es öffnet das Mittelohr und sorgt so für Druckausgleich.

Kälte/Hitze:

  • Die Klimaanlage ist immer zu kalt oder zu warm eingestellt. Zieht eure Kinder im Zwiebellook an, damit ihr reagieren könnt. Packt lieber einen Pullover oder dicke Socke mehr ein – und für das Baby eine dünne Mütze.
  • Stellt die Lüftung so, dass sie eure Kinder nicht anpustet – die Zugluft kann schnell krank machen.
  • Verlasst euch nicht darauf, dass die Stewardess euch eine Decke bringt. Auch für eine solche müsst ihr mittlerweile manchmal zahlen.

Bauchweh:

  • Esst vor dem Start lieber Nudeln mit Tomatensoße statt Grünkohl – das macht weniger Blähungen.
  • Lasst eure Kinder während des Flugs keine Kohlensäure trinken, auch das kann Bauchweh machen.
Fliegen mit Kindern

Für Kinder sind Fensterplätze besonders spannend. (Quelle: Witizia auf pixabay)

Alles klar? Dann guten Flug und schönen Urlaub! Und erzählt mir mal, wie’s war!

PS: Ich hätte euch gern eine hilfreiche Seite von „unserem“ Flughafen FMO genannt – aber dem scheinen keine Flugreisenden mit Kind bekannt zu sein.