Hebammen gerettet – Ansehen nach wie vor gering

Ergebnisse des Gesprächs mit Ingrid Arndt-Brauer (MdB)

Heute habe ich mich mit Ingrid Arndt-Brauer (MdB) getroffen, einer von Rheines Vertretern im Bundestag, um mich über den neuesten Stand der Hebammenfrage zu informieren. Ergebnisse:

  1. Hausgeburten werden weiterhin von der Krankenkasse gezahlt.
    Ob eine Hausgeburt stattfinden darf, entscheidet ein Arzt, keine Hebamme und schon gar keine werdende Mutter. Die Kritik der Hebammen an diesem Beschluss könnt ihr hier nachlesen.
  2. Auch Hebammen mit wenigen Geburten bekommen ihre Haftpflichtversicherung demnächst von den Krankenkassen finanziert, wenn sie mindestens vier Geburten pro Jahr betreuen, und können damit weiter praktizieren. Dadurch nehmen hoffentlich die Hebammen ihren Beruf wieder auf, die ihn aufgrund zu hoher Haftpflichtkosten niedergelegt haben – besonders in ländlichen Gebieten wie rund um Rheine.
  3. Durch die Festlegung der Qualitätskriterien erhalten die Hebammen fünf Prozent mehr Honorar für eine Geburt.
  4. Eine Hausgeburt ist ausgeschlossen, wenn die Gebärmutter durch einen Riss nicht gefährdet ist, wenn die Blutgruppen von Mutter und Kind sich nicht miteinander vertragen und wenn die Mutter wegen Diabetes insulinpflichtig ist. Die Hebammen kritisieren, dass die Qualitätskriterien wissenschaftlich unbegründet sind und die Ergebnisse einer extra in Auftrag gegebenen Studie nicht abgewartet wurden.
  5. Zusätzliche Untersuchungen durch einen Arzt vor der Entscheidung über eine Hausgeburt sind notwendig, wenn die Frau eine Beckenfehlstellung hat, wenn das Kind zu groß ist, um auf natürlichem Wege geboren zu werden oder wenn der errechnete Geburtstermin (voraussichtlich) überschritten wird. Nähere Infos lest bitte in der Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes.

Im Gespräch kamen Frau Arndt-Brauer und ich auf eine verwandte Problematik: die ungleiche Vergütung von Kaiserschnitten und natürlichen Geburten, denn sie stellt die Kompetenz der Ärzte über die der Hebammen. Im Klartext: Ein Krankenhaus verdient an einem Kaiserschnitt mehr als an einer natürlichen Geburt – und dass es vielen Krankenhäusern finanziell nicht gut geht, haben ja gerade wir in Rheine in den letzten Monaten in den umliegenden Städten gesehen.

Dass es auch Kliniken gibt, denen das Geld nicht so wichtig ist wie das natürliche Geburtserlebnis der Frau, zeigt dieses Beispiel aus Coesfeld: In diesem WDR-Beitrag zeigt sich, dass eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzten Frauen die Sicherheit gibt, ihre Kinder natürlich zur Welt zu bringen – selbst bei Steißlage des Kindes, Zwillingsgeburten oder wenn die vorherige Geburt schon ein Kaiserschnitt gewesen ist.

Unsere Hebammen können weiter praktizieren. Aber sie werden finanziell noch immer den Ärzten untergeordnet. Ein Ziel, für das es sich zu streiten lohnt, wäre also die Angleichung der Vergütung von natürlichen und Kaiserschnittgeburten vonseiten der Krankenkassen. Außerdem wäre eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Ärzten und Hebammen wünschenswert, ob niedergelassene oder in Klinik angestellte.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Wie wichtig war euch die Hebamme, wie wichtig der Arzt? Und was hat euch Sicherheit gegeben für die Geburt?