Inkontinenz nach Geburt: ein vermeidbares Leiden

Warum es lohnt, über das Tabu zu sprechen, und wie ihr Hilfe bekommt

Bild: Zweites Zuhause: Toilette? Inkontinenz nach Geburt kann Frauen ziemlich zu schaffen machen … (Quelle: Alexas_Fotos auf pixabay)

Kaffeetrinken mit zwei Freundinnen in Münster. Die eine hat eine Tochter, etwas älter als unsere. „Trampolinspringen kann ich überhaupt nicht mit der Kurzen“, erzählt sie, „da hilft auch keine Slipeinlage mehr, meine Hose ist sofort nass.“ Der Grund ist klar: Inkontinenz nach Geburt. Die andere Freundin ist gerade im Rückbildungskurs nach der Geburt ihres zweiten Kindes – der Kurs hat aktuell zwei Teilnehmerinnen. „Ich hab die Kursleiterin gefragt, warum wir so wenige sind, und sie hat erzählt, dass die Physiotherapeuten nur noch ans Bett der Kaiserschnitt-Mütter kommen dürfen, um ihnen die Übungen zu zeigen. Bei allen Müttern mit natürlichen Geburten spart sich die Klinik den Physiotherapeuten – weswegen die auch nicht mehr für die Rückbildungskurse werben können.“

Inhalt des Beitrags zu Inkontinenz nach Geburt

Hm. Beim Tag der offenen Tür des Jahn-Sportforums probiere ich das Trampolin aus und stelle fest: Meine Hose bleibt trocken, aber mein Beckenboden fühlt sich anderthalb Jahre nach der Geburt definitiv anders an als früher beim Trampolinspringen. Zum Glück: Keine Inkontinenz nach Geburt, aber ich hatte auch einen guten Rückbildungskurs, will heißen: Wir haben tatsächlich gezielte Beckenbodenübungen gemacht und sind nicht nur auf Steppern herumgehüpft, um unsere alte Figur wiederzubekommen. Und ich treibe Sport. Nicht mehr zwölf Mal pro Monat wie vor der Schwangerschaft, sondern nur noch viermal, aber immerhin. (Mehr geht nicht, denn wenn mein Mann Spätschicht hat, muss ich ein schlafendes Kind hüten, statt Pilates oder Schwimmen zu frönen.) Zusätzlich hatte ich einen Beckenbodenkurs gemacht vorbeugend gegen Inkontinenz nach Geburt – davon später mehr.

Sparmaßnahmen in Kliniken fördern Inkontinenz nach Geburt

Warum habe ich nach dem Gespräch mit meinen Freundinnen den Eindruck, dass hier mal wieder am falschen Ende gespart wird? Ich treffe mich mit dem Team des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am Mathias-Spital Rheine – und höre von der Leiterin Dr. Beate Heitmann: Nach ihrem Eindruck nehmen Beckenbodenschwächen und Inkontinenz nach Geburt bei jungen Frauen zu. Ich frage sie nach den Gründen und erzähle ihr von dem Gespräch mit meinen Freundinnen: Was sie von ihren Patientinnen höre, sagt sie, deute auf schlechte Beratung hin und auf zu schnelle Belastung des Beckenbodens nach der Geburt.

Inkontinenz nach Geburt

Dr. Beate Heitmann (r.) wird offiziell zur Leiterin des Kontnenz- und Beckenbodenzentrums ernannt von Dr. Kay Goerke, Chefarzt der Frauenklinik am Mathias-Spital Rheine.

„Ich sehe Mütter gleich nach der Geburt mit dem Kinderwagen losschieben“, erzählt sie, was wir lieber nicht tun sollten. Und vom Trampolinspringen rät sie generell ab: „Nach Schwangerschaft und Geburt ist jeder Beckenboden geschwächt“, sagt sie, „egal wie trainiert er vorher war. Und Trampolinspringen schüttelt ihn so richtig durch, das ist nicht gut.“

Was eigentlich ist Inkontinenz?

Inkontinenz umfasst das Unvermögen, Harn und Stuhl zu halten, den Schleimhautvorfall von Gebärmutter, Scheide oder Enddarm, Hämorrhoiden, Stuhlentleerungsstörungen oder chronische Schmerzen. Dabei gibt es die sogenannte Belastungsinkontinenz, bei der ein paar Tröpfchen in die Hose gehen beim Husten, Niesen oder Lachen oder bei der einem ein Furz entfleucht, wenn man vom Stuhl aufsteht.

(Mit) verantwortlich ist meist der Beckenboden: Hier befinden sich mehrere sehr unterschiedliche Organe auf engem Raum. Die Beckenbodenmuskulatur ist eine der wichtigsten im Körper: Ohne sie könnten wir nicht aufrecht stehen, weder Stuhl noch Urin halten und keinen Sex haben. Außerdem lägen die Organe ungestützt im Bauch und würden bald „herausfallen“ – immer der Schwerkraft nach.

Wegen der Enge im Beckenboden wirkt sich die gestörte Funktion eines Organs auch auf die anderen aus: Eine Gebärmuttersenkung hängt z. B. oft zusammen mit einer Harn-Inkontinenz oder einem Stuhlentleerungsproblem.

Inkontinenz ist ein Tabu und führt häufig zur Isolation

Frau Dr. Heitmann erzählt: „Eine Frau geht zum Arzt: ‚Herr Doktor, ich verliere beim Husten Urin.’ Der Arzt: ‚Kein Problem, ich verschreibe Ihnen einen Hustenblocker.’“ Beinahe hätte ich gelacht. War aber kein Witz: Manche Frau erlebt das tatsächlich, sagt Frau Dr. Heitmann: Das Tabu Inkontinenz ist noch immer so stark, dass nicht nur Patientinnen nicht mit ihrem Arzt darüber reden mögen, sondern sogar Ärzte sich vor dem Thema drücken.

Inkontinenz ist ein Thema, über das niemand gerne spricht und welches dennoch erheblich verbreiteter ist, als viele glauben: Jeder neunte Deutsche leidet darunter, so die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, darunter viele, ohne sich fachkompetente Hilfe zu holen. „Dabei ist gerade die selbstgewählte Isolation vom gesellschaftlichen Leben eine häufige Folge der Inkontinenz, die den Patienten zu schaffen macht“, sagt Georg Reitemeyer, Allgemein- und Viszeralchirurg im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum.

Inkontinenz nach Geburt

Das Tabu in die Fußgängerzone brachte eine Aktion von Frau Dr. Heitmann und ihrem Team. © Georg Reitemeyer

„Die Menschen mit unkontrollierbarem Urin- oder Stuhlabgang gehen nicht mehr gern vor die Tür, ziehen sich aus der Gesellschaft anderer zurück“, sagt Frau Dr. Heitmann, „ihnen ist ihr Leiden derart peinlich; es geht schließlich auch um Sexualität.“ Klar: Lustig ist es nicht, beim Geschlechtsverkehr Urin zu verlieren … Die Folge: Scham, Selbstisolation, Depression. „Wenn Frauen mit Inkontinenz nach Geburt sich noch raustrauen, kennen sie alle Toiletten in der Stadt“, sagt sie.

Vertrauen lindert unnötige Leiden bei Inkontinenz nach Geburt

Was also hilft gegen Inkontinenz nach Geburt? Zuerst: Reden. So einfach – und doch so schwer. „Uns ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen“, sagt der Urologe Dr. Frank Mennigen, „nur dann können sich die Betroffenen für eine eventuelle Behandlung öffnen – oft ist nämlich nicht mal eine Operation notwendig.“

Inkontinenz nach Geburt

Das Team des Kontinenz- und Bekcenbodenzentrums am Mathias-Spital

Im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fachabteilungen für Frauenheilkunde, Urologie, Enddarmerkrankungen, Kinderheilkunde und Verdauungserkrankungen, namentlich sind das die Leiterin Dr. Beate Heitmann (Gynäkologie), Dr. Frank Mennigen (Urologie), Georg Reitemeyer (Chirurgie/Proktologie), Dr. Christoph Schäper (Pädiatrie) und Kornelia Lindner (Gastroenterologie).

Das Team um Frau Dr. Heitmann kümmert sich allerdings nicht nur um die Linderung oder Behandlung von Inkontinenzleiden, sondern auch um die Prävention. Auf Patientenseite sind das Beckenbodenkurse und Aufklärung, auf medizinischer Seite sind das z. B. besondere Nahtkurse. „Wir trainieren unsere gynäkologischen Assistenzärzte darin, auch komplizierte Dammschnitte sauber zu vernähen“, sagt Frau Dr. Heitmann, „damit Inkontinenz nach Geburt ein Stückweit vermieden wird.“

Anonyme Telefonsprechstunde bei der Krankenschwester Britta Achternkamp

Da die Ärztinnen und Ärzte um die Hemmungen wissen, die Frauen mit Inkontinenz nach Geburt haben, bieten sie auch anonyme Gesprächsmöglichkeiten an. Eine ist die anonyme Telefonsprechstunde, in der jeder und jede Betroffene oder Interessierte zum Thema Beckenboden und Inkontinenz anrufen kann. Hab ich auch schon getan, als mir jemand erzählte, Hämorrhoiden würden Darmkrebs begünstigen. (Ist Quatsch, tun sie nicht.) Im Telefonat, in meinem Fall nicht anonym, denn ich kenne Britta Achternkamp ja, hat sie mir auch den Beckenbodenkurs empfohlen.

Inkontinenz nach Geburt

Britta Achternkamp hört vor allem erst mal zu in der anonymen Telefonsprechstunde.

Britta Achternkamp ist Krankenschwester und Urotherapeutin und arbeitet in der urogynäkologischen Sprechstunde der Frauenklinik. „Als Urotherapeutin unterstütze ich die Patientinnen und Patienten bei der Diagnostik und Therapie ihrer Beckenboden-Erkrankung, koordiniere Termine für sie ggf. in den Spezialsprechstunden der jeweiligen Fachabteilungen und berate bei der Bewältigung der Inkontinenz“, erklärt sie. Trinken, Essen, Mobilität, Kleidung und Umgebungsfaktoren gehören dazu: Der Patient oder die Patientin soll selbst fähig werden, die Inkontinenz besser zu bewältigen. „Dafür leite ich z. B. zum Blasen- oder Toilettentraining an oder helfe, ein Trinkprotokoll zu führen und auszuwerten“, schildert Britta Achternkamp.

Ihre Erfahrungen und Fachkenntnisse könnt ihr in der Telefonsprechstunde abrufen – doch es geht nicht in erster Linie um das Fachliche, sondern ums Zuhören: Mit der Erkrankung und dem Anruf können starke Ängste verbunden sein, schon im Telefonat sollt ihr daher eine vertrauensvolle Beziehung zu der Urotherapeutin aufbauen können – ob später ein Termin vereinbart wird, ist zweitrangig. „Einfach nur mal fragen geht auch“, sagt Britta Achternkamp. Anrufen kann jeder, vom Kind bis zum Rentner. „Ich nehme mir Zeit für den Anrufer und spreche so mit ihm, dass er mich versteht“, versichert die Urotherapeutin.

Inkontinenz-Sprechstunde auf Türkisch

Inkontinenz nach Geburt

Beratung auf Türkisch gibt es im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum dank der Unterstützung durch die Fachärztin Hülya Ipek (r.).

Falls ihr türkischstämmige Frauen kennt, die nicht so gut Deutsch sprechen und die (ein) Kind(er) geboren haben, erzählt ihnen bitte hiervon: Die Fachärztin für Gynäkologie Hülya Ipek bietet Inkontinenz-Sprechstunden montag- und donnerstagnachmittags auch in türkischer Sprache. „Inkontinenz berührt oft sehr intime Dinge“, erklärt sie, „vor jeder Therapie sprechen wir ausführlich und offen über aktuelle Beschwerden, Geburten, Voroperationen, Trinkverhalten und vieles mehr – für diese Details reicht die deutsche Sprachkompetenz vieler Migrantinnen oft nicht aus, gerade bei der ersten Generation eingewanderter türkischer Patientinnen.“

Offen über Intimstes zu sprechen, das ist auch kulturell unterschiedlich schwierig. „Wenn türkische Frauen aber erst einmal Vertrauen gefasst haben zu uns“, sagt Dr. Ipek, „sprechen sie oft viel offener als deutsche Frauen.“

Inkontinenz nach Geburt

Das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum holte sich bei einer Aufklärungsaktion in der Fußgängerzone 2015 die Klinikclowns mit ihrem Humor zur Hilfe. © Georg Reitemeyer

Therapiemöglichkeiten bei Inkontinenz nach Geburt

Es muss nicht immer die Operation sein: Bei Inkontinenz nach Geburt wie bei Inkontinenz aus anderen Gründen helfen oft schon verhaltenstherapeutische oder medikamentöse Behandlungsmethoden. Die Hilfen gegen Inkontinenz sind so vielfältig wie die Patientinnen und ihre Probleme: In der Urotherapie lernen sie ein verändertes Trinkverhalten oder den richtigen Einsatz von Hilfsmitteln wie z. B. Pessaren.

Bei Stuhl-Inkontinenz oder Darmverletzungen infolge einer Geburt hilft der Proktologe. Wenn eine Operation unvermeidbar ist, bekommen Patientinnen in der Physiotherapie nach der Operation Tipps und Übungen, Ängste werden besprochen.

Für jedes Alter, Mann und Frau und die unterschiedlichen Ursachen von Inkontinenz gibt es zahlreiche Behandlungen, um zu heilen oder zumindest den Leidensdruck zu mindern – manchmal sogar ausschließlich durch Übungen.

Beckenbodenkurs zur Vorbeugung von Inkontinenz nach Geburt

Gerade nach der Geburt ist das Beckenbodentraining wichtig, um z. B. Senkungen oder eben Inkontinenz nach Geburt zu verhindern. Dieses Training müsst ihr allerdings über den Rückbildungskurs hinaus selbst fortführen. Bis euer Beckenboden wieder einigermaßen Normalzustand erreicht hat, vergehen neun Monate bis ein Jahr – auch abhängig davon, wie viel ihr dafür tut. Wunden beispielsweise benötigen rund ein Jahr, bis sie in die letzten Schichten hinein verheilt sind – das gilt auch für Dammschnitte.

Den Beckenbodenkurs am Mathias-Spital hatte ich besucht, nachdem Britta Achternkamp ihn mir in der Telefonsprechstunde empfohlen hatte. Ich hatte nicht viel mehr erwartet als die üblichen Beckenbodenübungen, die ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs und aus der Rückbildung kannte. Tatsächlich bekam ich hier zusätzlich tolle Tipps, wie ich den sperrigen Kinderwagen beckenbodenschonend ins Auto verfrachte. Oder unsere Tochter aus dem Bett hole. Oder die Einkaufskiste abstelle.

Inkontinenz nach Geburt

In der Beckenbodenschule gibt es vertiefende Tipps, Übungen und zusätzliches Wissen zu Inkontinenz und Beckenboden.

Außerdem wurde so eben nebenbei festgestellt, dass ich beim Gehen meinen Fuß falsch abrolle und damit meinen Knicksenkfuß manifestiere. Seitdem versuche ich, beim Gehen an das richtige Abrollen zu denken – und das spüre ich im Beckenboden!

„In der westlichen Welt ist der Beckenboden nur Thema, wenn er besonders beansprucht ist wie in der Schwangerschaft oder die Menschen schon Beschwerden zeigen wie Haltungsschäden, Inkontinenz, Schwierigkeiten beim Sex oder Senkungen von Gebärmutter, Darm oder Blase“, sagt Katrin Stecken. Sie leitet die Beckenbodenschule am Mathias-Spital.

In den Kursen der Beckenbodenschule lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wofür der Beckenboden gut ist, wie man ihn im Alltag stärkt und vor allem: wie man ihn überhaupt spürt. Der Kurs wird als Vorsorgeangebot von den meisten Krankenkassen bezuschusst und eignet sich für wirklich jeden Menschen: „Im letzten Kurs hatten wir Teilnehmer zwischen 29 und 75 Jahren“, sagt Frau Stecken. Die Übungen sind einprägsam und werden in verschiedenen Schwierigkeitsgraden wiederholt. „Außerdem achten wir sehr darauf, dass sie wirklich gut in jeden Alltag passen“, sagt Frau Stecken, „denn wie jeder Muskel muss auch der Beckenboden regelmäßig ein Leben lang trainiert werden, damit er kräftig bleibt.“ Die alltagstauglichen Übungen können oft unsichtbar für andere auf Zugfahrten oder beim Kartoffelnschälen umgesetzt werden.

„Klar gibt’s auch praktische Tipps für die, die bereits eine Beckenbodenschwäche haben und ab und zu unfreiwillig Urin verlieren“, versichert Katrin Stecken, „über seine Erkrankung sprechen muss jedoch niemand, wenn er oder sie nicht will.“

Sexspielzeug für den Beckenboden

So alltagstauglich viele Übungen auch sind: Ich habe immer Schwierigkeiten, mich im Alltag daran zu erinnern, dass ich sie mache – beim Kartoffelschälen, Zähneputzen oder Autofahren. Klar hab ich mit Smileys an die Herdwand, den Spiegel und ans Armaturenbrett geklebt, aber nach einiger Zeit habe ich mich so an ihren Anblick gewöhnt, dass ich sie übersehe.

Praktisch, dass wir unseren Beckenboden auch „passiv“ trainieren können – z. B. mit Sexspielzeug: Das Tragen von Liebeskugeln trainiert die Beckenbodenmuskulatur. Liebe Papas, das wäre doch mal ein schönes Geschenk zum ersten Muttertag: Ihr unterstützt die Erholungsphase eurer Partnerinnen nach der Geburt und signalisiert ihr so eure Sorge um ihr Wohlergehen – und ihr drückt gleichzeitig aus, dass ihr sie als Sexualpartnerin schätzt – trotz aller Widrigkeiten, die ein Kind mit sich bringt (Schlaflosigkeit, Familienbett, Geburtsverletzungen, Stillen …).

Wenn euch Sexspielzeug zu anzüglich ist oder euch die Liebeskugeln zu groß und schwer sind, dann holt euch die medizinische Variante aus der Drogerie: Vaginalkonen.

Inkontinenz nach Geburt

Vaginalkonen sind die medizinische Variante für das passive Beckenbodentraining und in der Drogerie erhältlich. (Quelle: http://www.babynatur.de/images/product_images/popup_images/31_0.jpg)

Es gibt sie in verschiedenen Größen und Gewichten zum schrittweisen Training. Ihr führt sie ein und tragt sie dann einfach durch die Gegend – zuhause oder unterwegs. Wie das funktioniert, erfahrt ihr im Video:

Eine weitere Alternative sind Pessare, die sich individuell an jede Frau anpassen lassen. Ihr lasst das einmal vom Frauenarzt machen und entscheidet dann selbst, wann und wie oft ihr das Pessar tragt. Zu handhaben ist es ganz einfach, wie ein Tampon. Hier ein Flyer von einer Firma, den ich dazu gefunden habe.

Exkurs: Inkontinenz bei Kindern und älteren Menschen

Nur weil es vielleicht die Familie einiger von euch betrifft, hier ein kleiner Exkurs: Inkontinenz ist natürlich nach wie vor besonders ein Problem älterer Menschen: Wenn im Alter die Muskulatur erschlafft, gilt das genauso für den Beckenboden. „Der häufigste Grund für die Einweisung in ein Altenpflegeheim ist Inkontinenz“, sagt Dr. Heitmann. Für Inkontinenz gibt es keine Altersbeschränkung – für Hilfe dagegen glücklicherweise auch nicht.

Auch Kinder können unter Inkontinenz leiden, hier spricht man von Einnässen. Die Telefonsprechstunde kommt z. B. auch Eltern entgegen, deren Kind einen Arztbesuch hinter sich hat – oft tauchen viele Fragen erst hinterher auf. Eltern von Kindern, die nachts noch einnässen, nimmt Britta Achternkamp zunächst die Angst davor, ihr Kind könnte eine organische Krankheit haben. „Bis zum Alter von sechs Jahren kann nächtliches Einnässen auftreten. Natürlich ist es sinnvoll, den Kinderarzt aufzusuchen“, rät sie.

Inkontinenz nach Geburt

Auch Männer können am Beckebodenkurs teilnehmen.

Achtung: Auch Männer haben einen Beckenboden!

Liebe Papas, zwar müsst ihr nicht monatelang ein ständig wachsendes Baby auf euerm Beckenboden spazieren tragen und es schließlich durch diesen hindurch in die Welt zwängen. Und euer Beckenboden wird auch nicht durch eine dritte Öffnung zusätzlich destabilisiert wie bei uns, sodass euer Beckenboden von Natur aus rund achtmal stärker ist als der eurer Partnerinnen. Wir vertrauen euch schwere Gegenstände also zu Recht an, um sie die Treppen hoch- oder runterzuschleppen.

Dennoch bleibt auch ihr nicht ewig jung und euer Beckenboden erschlafft wie alle anderen Muskeln im Körper auch. Und das nicht erst, wenn ihr 70 seid! Bei „schlaff“ sollten bei euch die Alarmglocken klingeln: Damit ihr auch später noch Spaß am Sex habt und von Inkontinenz verschont bleibt, solltet auch ihr euern Beckenboden trainieren – heute schon. Setzt euch aufrecht hin und versucht mal, mit euerm Beckenboden Fahrstuhl zu fahren, vier Stockwerke hoch und runter. Klappt nicht? Dann fragt mal eure Frauen, wie das geht – oder besucht einen Beckenbodenkurs. Der ist auch für Männer.

Wo bekommt ihr Hilfe in Rheine bei Inkontinenz nach Geburt?

Inkontinenz nach Geburt ist ein Tabu – deswegen ist schwer zu erraten, welche Frau es betrifft. Daher postet diesen Beitrag bitte in euern Facebook- und WhatsApp-Gruppen, die ihr mit anderen Frauen teilt. Vielleicht ist eine dabei, die sich nach Hilfe sehnt …

Anonyme Telefonsprechstunde
Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital
Britta Achternkamp
mittwochs von 10 bis 11 Uhr
05971 42-4961

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital
Dr. Beate Heitmann und Team
Koordinierende Sekretärin: Ulrike Middelhoff
05971 42-1960
kontinenz-zentrum@mathias-spital.de

Beckenbodenschule am Mathias-Spital
Physikalische Abteilung
Katrin Stecken
05971 42-1083

Selbsthilfegruppe Inkontinenz

Welt-Kontinenz-Tag 2016
Anonyme Telefonsprechstunde für Frauen, Männern und Kindern jedes Alters
Mittwoch, 22. Juni 2016
6 bis 7 Uhr
10 bis 12 Uhr
14 bis 15 Uhr
17 bis 18 Uhr
05971 42-4242

Inkontinenz nach Geburt

Zum Weltkontinenztag gibt es eine anonyme Telefonaktion mit (v. l.) Dr. Beate Heitmann, Georg Reitemeyer, Dr. Christoph Schäper, Dr. Frank Mennigen, Britta Achternkamp und weiteren Expert/innen.