Kinder als Stadtexperten in Rheiner Innenstadt unterwegs

3. und 4. Klasse der Ludgerusschule Schotthock nach Verbesserungen für Kinder befragt

Bild: 42 Schüler_innen der Ludgerus-Schule Schotthock waren als Stadtexperten in der Innenstadt unterwegs. © Pressestelle Stadt Rheine

Kurze Begrüßung, dann geht's an die Arbeit.

Kurze Begrüßung, dann geht’s an die Arbeit.

In vier Gruppen aufgeteilt wurden die Kinder der 3. und 4. Klasse der Ludgerusschule Schotthock am Dienstagvormittag, dann ging es los: Als Stadtexperten marschierten sie begleitet von Lehrerinnen, Jugendamt und TBR durch verschiedene Innenstadtgebiete, darunter Borneplatz und Staelscher Hof (grüne Gruppe), Marktplatz, Thie und Falkenhof (rote Gruppe), Humboldtplatz und Timmermannufer (gelbe Gruppe) und Kettlerufer und Emsstraße (grüne Gruppe). Ich habe die grüne und die rote Gruppe auf Teilen ihrer Tour begleitet. Das habe ich mitbekommen von der Sicht der Kinder auf die Innenstadt:

Bewegung, sobald es geht. Kinder nutzen alles zum Spielen, was ihnen in die Quere kommt.

Bewegung, sobald es geht. Kinder nutzen alles zum Spielen, was ihnen in die Quere kommt.

Borneplatz – etwas langweilig

Auf dem Bernburgplatz wurde erst mal das „Wackelauto“ beklettert und ordentlich durchgerüttelt. Dann ging’s zum Borneplatz. Die beiden Wipptiere vor dem Alten Rathaus entlockten einem Mädchen den sarkastischen Kommentar: „Nur zwei Dinger, voll geiler Spielplatz, ey …“

Der Jeep wird erst mal gemeinschaftlich ordentlich ins Wackeln gebracht.

Der Jeep wird erst mal gemeinschaftlich ordentlich ins Wackeln gebracht.

Auf die Frage, was die Kinder auf dem Borneplatz gut fänden, kam spontan die Antwort: „McDonald’s!“ (Den gibt es hier nicht mehr, aber das hatten die Kinder offenbar nicht mitbekommen. Spricht für ihre Ernährungsgewohnheiten.)

Den Brunnen bewerteten sie unterschiedlich: „Gut! Da kann man die Hände nass machen.“ (Wenn denn Wasser läuft, das war aufgrund des Marktbetriebs abgeschaltet.) Kommentare zur Gestaltung waren: „Nicht schön!“ – „Da fehlt die Farbe.“ – „Geht so …“ – „Hässlich.“ – „Der muss bunter!“ Eine relativ große Mehrheit wollte den Brunnen Türkis und Weiß gestalten. Und ein Junge machte gleich Anstalten, den Brunnen zu erklettern.

Die grüne Gruppe auf dem Weg zum Borneplatz.

Die grüne Gruppe auf dem Weg zum Borneplatz.

Das große Hochbeet am Übergang zum Staelschen Hof ist nicht bepflanzt, um als Stehfläche fürs Public Viewing zu dienen, erklärte Birgit Schumann von den TBR. „Hier kann man chillen“, lobte ein Junge, während ein Mädchen auf die Hundehaufen im Beet zeigte und rief: „Iiiiih, Aa!“

Gut fanden die Kinder am Bornplatz: die Toiletten im Rathaus, den Eisstand, dass man dort einkaufen kann. Auf die Frage, ob es gerne hier sei, schüttelte ein Mädchen den Kopf.

Im Rathaus gibt es eine Zwischenmahlzeit.

Im Rathaus gibt es eine Zwischenmahlzeit.

Staelscher Hof – gute Ansätze und viele Träume

Am Wasserspiel auf dem Staelschen Hof wurde gleich eine Wasserschlacht eröffnet, Lok und Kugel wurden erklettert. „Können wir die Socken ausziehen und ins Wasser gehen?“, fragte ein Junge und erhielt zur Antwort: „Nein, das ist ganz glitschig da drin, schau mal, das Wasser ist auch ganz grün.“ Bei näherer Untersuchung des Wasserspiels fanden die Kinder heraus: Das Schaufelrad schaufelt kaum Wasser auf die Wasserbahn, sondern eher daneben. Die Spirale schaufelt zwar Wasser ins Auffangbecken, die Kinder werden dabei aber zwangsläufig nass und viel Wasser fließt nicht weiter in die Bahn, weil der Auslauf oben statt unten am Becken angebracht ist. Die kleinen Schaufelräder drehen daher sehr langsam oder gar nicht, weil sie für die geringen Wassermengen, die ankommen, zu schwer sind. Die Umrandung der Becken wird rutschig, sobald sie nass ist, und im Becken schwimmt Müll.

Die Spirale ist beliebt, sorgt aber für nasse Kleidung.

Die Spirale ist beliebt, sorgt aber für nasse Kleidung.

(Grünes vermülltes Wasser hindert die Kinder nicht daran, mit und im Wasser zu spielen. Da die gesamte grüne Gruppe schwimmen kann, fällt auch keinem Kind ein, dass Jüngere in den Becken leicht ertrinken, wenn sie von den Eltern nicht ständig im Auge behalten werden. Aber Drittklässler sind auch nicht daran interessiert, mit einer Freundin in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Meine Kritik am Staelschen Hof, auch am Wasserspiel habe ich ja schon ausführlich dargelegt.)

Das Grün des Wassers hält Kinder nicht vom Plantschen ab.

Das Grün des Wassers hält Kinder nicht vom Plantschen ab.

Gefragt, was die Kinder gerne auf dem Staelschen Hof hätten, sprudelten die Ideen nur so: Nestschaukel, Babyschaukel (für die Kleinen), Sandkasten (für die Kleinen: „Die matschen ja auch gern.“), Rutsche, Wippe, Trampolin, mehr Drehwirbel, Labyrinth, Baumhaus, Pool, Schaukelbaum, Apfel-, Kirsch- und Zitronenbaum, Jeep, Fahrradparkplätze, Karussellwippe („wie im Walshagenpark“), Seilbahn, Karussell („umsonst“), Wasserrutsche, Limonadenstand.

Auf der Lok lässt es sich prima herumklettern.

Auf der Lok lässt es sich prima herumklettern.

Auch die Kugel wird als Spielzeug verwendet.

Auch die Kugel wird als Spielzeug verwendet.

Thie und Marktplatz – Bänke, Mülleimer und ein Tritt

Der Plan aus der Vogelperspektive dient als Übersicht. Hier werden Smileys aufgeklebt für gute und schlechte Ecken aus Kindersicht.

Der Plan aus der Vogelperspektive dient als Übersicht. Hier werden Smileys aufgeklebt für gute und schlechte Ecken aus Kindersicht.

Für den Thie wünschten sich die Kinder mehr Fahrradständer, für den Marktplatz mehr Bänke und Mülleimer – und auch hier wären Seilbahn, Rutsche und Schaukel willkommen. Leicht umzusetzen sollte die Idee eines Trittbretts am Trinkwasserspender auf dem Thie sein – dann würden die Kinder auch heranreichen, um etwas trinken zu können.

Ein Tritt würde es Kindern erleichtern, den Trinkbrunnen zu nutzen.

Ein Tritt würde es Kindern erleichtern, den Trinkbrunnen zu nutzen.

Falkenhof – Toben im Labyrinth

Auf dem Spielplatz Falkenhof stürmte erst alles an die Spielgeräte, schnell jedoch verließen die Kinder sie auch wieder und stürmten ins Labyrinth (das ich bis dahin gar nicht wahrgenommen hatte).

Kinder schaffen es tatsächlich, das Karussell zu nutzen, ohne runterzufallen - jetzt hab ich's endlich mit eigenen Augen gesehen.

Kinder schaffen es tatsächlich, das Karussell zu nutzen, ohne runterzufallen – jetzt hab ich’s endlich mit eigenen Augen gesehen.

Ein Mädchen zeigte sich sehr ausdauernd an einem der 13 Drehwirbel: „Das ist der beste Spielplatz, weil hier so viele tolle Spielgeräte sind!“

"Der beste Spielplatz" war für dieses Mädchen der Falkenhof-Spielplatz.

„Der beste Spielplatz“ war für dieses Mädchen der Falkenhof-Spielplatz.

Mein Fazit

Ich finde es großartig, dass bei der Überplanung der Innenstadt verschiedene Bevölkerungsgruppen einbezogen werden, denn eine Innenstadt, die nur dem Konsum frönt, hat keinen Vorteil gegenüber dem Internethandel und wird mittel- bis langfristig aussterben. Nur wenn Innenstädte ihr Potenzial ausschöpfen und Lebensraum sind für alle Bürger, Treffpunkt und gern genutzter Aufenthaltsort – auch ohne kaufen zu müssen! – haben auch dir Händler hier eine Chance.

Von Kindern verwertbare Aussagen zu bekommen, ohne ihnen einfach nur das zu entlocken, was man meint, was sie sagen werden, ist schwierig. Schulkinder sind es gewohnt, dass es eine richtige Antwort gibt und merken schnell, in welche Richtung Erwachsene wollen. (Ich kenne das vom Schwimmtraining, meine (nun ehemalige) Gruppe ist auch im Grundschulalter.) Die Ansätze der Planungsgruppe aus Jugendamt und TBR waren daher schon gut. Für ein weiteres Projekt dieser Art wäre es sicher gewinnbringend, wenn die Pädagog_innen, die jeden Tag mit den Kindern zu tun haben, stärker und früher einbezogen werden, damit sie das Thema ggf. in den Unterricht einbetten und dort vorbereiten können.

Die Stadt über die Aktion

Zum Schluss ein Auszug aus der Pressemitteilung der Stadt Rheine: „Die zahlreichen Informationen werden jetzt für die Rahmenplanung Innenstadt aufbereitet. Erste Tendenzen sind dabei: An vielen Flächen, wie der Grünfläche an der Stadthalle oder dem Marktplatz fehlen ihnen Spielgeräte, Die Wasserspielanlage am Staelschen Hof hat zwar einige Mängel, aber Wasser finden Kinder eben einfach toll zum Spielen. An vielen Stellen stört sie der herumliegende Müll und besonders am Emsufer die zahlreichen Hundehaufen. Nach mehr als zwei Stunden Exkursion bei fast 30 Grad war dann ein kühles Eis als Dankeschön ein kleiner Dank für die tolle Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler und auch für die Begleiterinnen der Schule, mit deren aktiver Unterstützung das Projekt gut gelang.

42 Schüler_innen der Ludgerus-Schule Schotthock waren als Stadtexperten in der Innenstadt unterwegs. © Pressestelle Stadt Rheine

42 Schüler_innen der Ludgerus-Schule Schotthock waren als Stadtexperten in der Innenstadt unterwegs. © Pressestelle Stadt Rheine

Der Rahmenplan Innenstadt ist in den kommenden Jahren das zentrale Großprojekt der Stadtentwicklung in Rheine. Ziel ist es, die Innenstadt modern und zukunftsfähig zu gestalten und für Bürger, Anwohner, den Handel und Tourismus zu attraktiveren.  Auf der Grundlage von 14 strategischen Entwicklungszielen für die Innenstadt wurden insgesamt 48 Einzelmaßnahmen entwickelt.“

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