Kinder fragen nach Gott – Videos antworten?

Bewegtbild-Möglichkeiten für Eltern, sich mit dem Glauben ihrer Kinder auseinanderzusetzen

Bild: Das Kind, das vor dem Zubettgehen fromm sein Gebet verrichtet – lange Zeit das Idealbild kindlichen Glaubensverhaltens. (Quelle: Clker-Free-Vector-Images auf pixabay)

Zu diesem Artikel wurde ich durch die Zeugen Jehovas inspiriert – ehrlich! Ihr kennt sicherlich auch die ältere Frau mit der Augenfehlstellung, die in der Innenstadt immer die Flyer verteilt. Mich spricht sie jedes Mal an, wenn sie mich sieht. (Als ich als Studentin noch jede Woche eine Umfrage zu verschiedenen Themen für die Zeitung gemacht habe, habe ich auch immer Frauen mit Kindern angesprochen. Mit der Zeit hat man raus, welche Passantengruppen am ehesten stehenbleiben.) Dieses Mal bekam ich einen Flyer, der auf ein Videoportal der Zeugen Jehovas für Kinder hinwies. Ich war neugierig, habe mir einige Videos angeguckt und drei Dinge festegestellt:

  1. In Bild und Ton sind die kleinen Trickfilme richtig gut gemacht, auch die Länge stimmt und die Didaktik ist wirkungsvoll.
  2. Die Eltern in den Folgen sind durchweg Vorzeige-Pädagogen, die ich im wahren Leben so noch nicht kennengelernt habe – aber als Vorbild für „reale“ Eltern mögen sie durchaus eine Lehrfunktion haben.
  3. Die inhaltlichen Botschaften in den Folgen empfinde ich teils als gruselig, im besten Fall als befremdlich und nicht zu meiner Auffassung passend.

Nachdem ich mir einige Videos angesehen und entschieden habe, dass ich sie unserer Tochter nicht zeigen werde, wenn sie im passenden Alter ist, habe ich mich gefragt: Gibt es solche Video-Angebote eigentlich auch von den etablierten Kirchen?

Der christliche Glaube – Kindern Angebote machen

In meiner Kindheit habe ich das Angebot bekommen, mich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen: Taufe, Advents-Familiengottesdienste, 13 Jahre katholische Schulerziehung, Mittagsgebet – was man eben so mit Kindern macht. Schon bei meiner Erstkommunion war ich skeptisch, ob ich in der Kirche richtig bin, und auf die Firmung habe ich dann verzichtet. Aber: Ich hätte meinen Platz in der Kirche finden können, das Angebot seitens meiner Eltern war da. Nun bin ich seit 20 Jahren aber raus aus dem Kirchenalltag und bis auf die vertrauten Lieder ist mir alles etwas fremd geworden.

Unsere Tochter besucht nun eine katholische Kita und mit der Zusage kam die Frage: Was kommt da demnächst auf mich zu und wie gehe ich damit um, erfahrungsarm, wie ich bin, in katholischen Dingen?

Ich bin ein Buchmensch, also habe ich mir erst mal ein Buch zu Kindern und Glauben ausgeliehen. Das war auch nicht übel, aber dann habe ich mich gefragt: Was machen denn Eltern, die nicht so gern lesen? Gibt es für sie Video-Angebote, damit sie auf die Fragen ihrer Kinder angemessen antworten können? Immerhin kann es ja sein, dass auch Kinder von Eltern, die mit Kirche nicht viel am Hut haben, dort einen Platz finden, an dem sie sich aufgehoben fühlen.

Videoportale von evangelisch über katholisch bis kritisch

Tatsächlich machen auch die etablierten Kirchen im Internet und auf Youtube Video-Angebote für Kinder und Erwachsene. Ich habe mir einmal www.katholisch.de und www.e-wie-evangelisch.de rausgepickt. Dazu auf Empfehlung eines Bekannten „Valerie und der Priester“ – das ist allerdings ein Blog mit Videos für Erwachsene.

Schaut euch mal an, wie von den Kirchen z. B. die Barmherzigkeit erklärt wird – kein leichter Begriff, finde ich. Beide Videos richten sich eher an Erwachsene oder ältere Jugendliche.

Katholisch für Anfänger:

Mir gefällt der selbstironische Comicstil. Ich werde bei einer Meinung abgeholt, die sicherlich viele Menschen haben. Dann kommt der Gegenentwurf aus christlicher Sicht und zum Schluss erhalte ich Beispiele, wie ich barmherzig sein kann. Als ehemalige Geschichtsstudentin hätte mich noch eine historische Einordnung interessiert, denn göttliche Barmherzigkeit war in der Zeit, in der diese Botschaft in die Welt kam, ein wirklich radikaler Gedanke. Hätte dem ganzen vielleicht etwas mehr Tiefe gegeben.

e wie evangelisch:

Der rosarote Zeichenstil mit dem motorradfahrenden Herzen ist nicht so meins. Auch finde ich schade, dass die Interviewpartner in verfremdeten Fotos dargestellt werden anstatt einfach so, wie sie gefilmt wurden. Das nimmt einiges an Authentizität, finde ich. Gut ist, dass ich auch hier abgeholt werde bei meinem Begriffsproblem und mit Aussagen von Menschen auf der Straße. Erst dann kommt der „Profi“ und erklärt noch mal genau.

Insgesamt zwei ordentliche Lösungen, finde ich.

Zielgruppengerechte Kommunikation – können die das?

Du sollst nicht lügen – mit dem achten der Zehn Gebote werden wir in der Erziehung unserer Kinder noch oft konfrontiert werden. Entweder weil unser Sprössling behauptet, er habe die Zähne geputzt, wir die Zahnbürste aber trocken vorfinden. Oder weil er der Frau beim Bäcker ins Gesicht sagt: „Du hast aber eine hässliche Warze auf der Wange!“

Bei e wie evangelisch finde ich nichts zum Lügen, bei Katholisch.de ein Video für Erwachsene:

Interessant ist hier, wie differenziert auf das Lügeverbot eingegangen wird, denn wir Erwachsene wissen ja bereits aus Erfahrung, dass die Wahrheit nicht immer unbedingt angebracht ist: Nicht von dem, der eine Unwahrheit sagt, wird ausgegangen, sondern von dem, der sie zu hören bekommt. Sich zu fragen: Was macht es mit dem anderen, wenn ich ihn „belüge“?, halte ich für eine Frage, die wir uns auch in anderen Kontexten öfter mal stellen könnten.

Die Zeugen Jehovas haben ein Kindervideo zu dem Thema, das eine alltägliche Situation aus dem Kinderalltag als Beispiel nimmt. Aufmachung und Didaktik gelungen, Elternverhalten und Botschaft, wie gesagt, für mich befremdlich („Du weißt doch, wer der erste war, der gelogen hat?“ – „Satan!?“).

In beiden Fällen haben sich die Macher Gedanken darüber gemacht, mit wem sie da eigentlich sprechen und in welcher Lebenswirklichkeit sie ihn antreffen.

Etwas enttäuscht war ich von „Die Bibel einfach erzählt“ von Katholisch.de. Der Trickfilm ist recht statisch gehalten, da sind Kinder heute anderes gewöhnt. Und die Sprache ist mit Ausnahme einiger eingestreuter Sätze recht nah an der biblischen Ausdrucksweise. Die Figuren bleiben schematisch, ich bekomme keinen Bezug zu ihnen und verstehe sie auch nicht richtig. Josefs Konflikt angesichts der Tatsache, dass seine Verlobte schwanger ist, ohne dass er Sex mit ihr hatte, hätte man auch gegenüber Kindern etwas weniger platt darstellen können.

Aber für Eltern, die die biblischen Geschichten nicht vorlesen möchten, sondern sie lieber mit ihren Kindern zusammen ansehen, mag das eine gute Grundlage sein. Leider gibt es erst drei Folgen …

Große Angebote von Lehre bis Alltag

Alle Portale haben ein breites Videoangebot: Es gibt Serien, in denen wichtige Begriffe des Glaubens geklärt werden, Videos zur biblischen Lehre und welche zu Alltagsfragen. Sowohl das Youtube-Portal von Katholisch.de mit Serien von „Katholisch für Anfänger“ bis „Katholisch für Fortgeschrittene“ und vielem mehr als auch e wie evangelisch halten da auf jeden Fall sehenswertes Material bereit.

Für Skeptiker ist sicherlich der Blog „Valerie und der Priester“ eine gute Alternative, um erst einmal selbst eine Position in Glaubensfragen zu bekommen, bevor man sich mit dem eigenen Kind unterhält.

Beispielhaft dafür, wie sich der junge Priester Franziskus aus Roxel und Valerie, die Kirche für veraltet hält, annähern, ist der Beitrag zur Frauenfrage.

Damit ihr einen guten Vergleich habt zwischen den einzelnen Angeboten, habe ich ein Thema ausgewählt, zu dem jedes Portal etwas zu bieten hat – allerdings eher für Erwachsene, wenn man von dem Lied der Zeugen Jehovas mal absieht: Beten.

e wie evangelisch:

Katholisch.de:

Valerie und der Priester:

Islamische Variante der Video-Glaubensportale?

Ich habe auch versucht, ein Äquivalent zu den Videos der Kirchen zu finden, in denen der islamische Glaube von Muslimen selbst erklärt wird – in kindgerechter Aufmachung und für Kinder. Gefunden habe ich Trickfilme auf Youtube, die aber auf Arabisch sind. Also kann ich euch leider nicht sagen, ob diese Videos einer modernen muslimischen Kindererziehung dienlich sind und für Familien in Deutschland geeignet.

Was ich gefunden habe, sind drei recht unterschiedliche Filme für Kinder vom öffentlich rechtlichen Rundfunk zum Ramadan, zu den Fünf Säulen des Islam und zu einem Beispiel moderner muslimischer Lebensweise. Außerdem gibt es, ebenfalls auf „Planet Schule“ ein Video für Erwachsene zu den Fünf Säulen des Islam. Inwieweit die Filme unter Mithilfe von Muslimen entwickelt wurden, weiß ich nicht.

Wer war eigentlich Jesus?

Für diejenigen unter euch, die völlig ohne Berührung mit Glauben und Kirche und so aufgewachsen sind und bisher nur Bahnhof verstanden haben, hier eine Antwort auf eine elementare Frage – zumindest für den christlichen Glauben: Wer zum Henker war eigentlich dieser Jesus?!