Spielplatz Sperberweg – das verhinderte Spielparadies

Chancen für einen Generationen verbindenden, inklusionsfreundlichen Stadtteiltreff?

Bild: Viel Potenzial hat der Spielplatz Sperberweg.

Spielplatz Sperberweg

Eine große Naherholungsfläche mitten im Wohngebiet könnte der Spielplatz Sperberweg sein – für alle Generationen. (Quelle: Google Maps)

Das Wohngebiet rund um den Spielplatz Sperberweg ist alt und jung zugleich: Manche älteren Menschen wohnen noch im Eigenheim, andere sind bereits umgezogen ins Betreute Wohnen oder verstorben; junge Familien mit kleinen Kindern ziehen in die Häuser oder bauen neu auf den Grundstücken. Die Caritas-Altenwohnanlage Marienstift und die Caritas-Seniorenwohnungen sind in der Nähe, der Eschendorf-Friedhof, der von den Senioren oft besucht wird, die AWO-Wohnstätten für Menschen mit Behinderung sind in der Nachbarschaft angesiedelt. „Einer unserer älteren Nachbarn fährt jeden Tag mit dem Rad zum Altenwohnheim, um dort an den Aktivitäten teilzunehmen“, sagt Sabrina Buck.

Perfekt für Pilotprojekt „Mehrgenerationenspielplatz“?

Mit ihr treffe ich mich, denn sie hat ein Anliegen: Der Spielplatz Sperberweg soll freundlicher werden. Und als sie von ihrem Viertel erzählt, denke ich: Dieser Spielplatz wäre doch prädestiniert dafür, wenn die Stadt Rheine tatsächlich einmal die Idee „Mehrgenerationenspielplatz“ ausprobieren möchte. Sabrina stimmt zu: „Ein typisches Bild auf diesem Spielplatz sind Großeltern mit ihren Enkeln.“ Und da der Spielplatz Sperberweg aus vielen Richtungen zugänglich ist, könnte er sich zum Viertel-Treffpunkt entwickeln lassen. Sabrina hat vom Erfolg des Stadtteilbeirats Dutum-Dorenkamp beim Einsatz für die Beschattung eines Spielplatzes gelesen. Nun hofft sie, dass auch für ihren Spielplatz etwas getan werden kann.

Spielplatz Sperberweg

Viele Stichstraßen münden in den Spielplatz Sperberweg; er ist ein Knotenpunkt vieler Wege im Wohngebiet.

Der Spielplatz Sperberweg zwischen Problem und Potenzial

Gemeinsam gehen wir hinüber und ich bin begeistert: Eine großzügige, parkähnliche Landschaft mit vielen alten, großen Bäumen umgibt den Spielplatz – traumhaft! Gleichzeitig birgt diese Weite einen Nachteil: „Der Spielplatz ist sehr weit auseinandergezogen“, sagt Sabrina, „als Eltern hat man hier seine Kinder nie sicher im Blick oder in Rufweite – geschweige denn in Reichweite.“

Spielplatz Sperberweg

Kaum in Sicht- oder Rufweite haben Eltern ihre Kinder besonders in der Nähe des Hügels.

Mir ist sofort klar: Dieser Spielplatz hat Potenzial. Und Sabrina ist sich sicher: Wenn die Stadt signalisieren würde, dass der Spielplatz umgestaltet werden soll, dann wären die Eltern und Großeltern aus der Nachbarschaft auch bereit, sich einzubringen. Mir schwebt eine Planungswerkstatt vor, wie sie vor Kurzem für den Elisabethplatz gemacht wurde – Platz ist auf dem Spielplatz Sperberweg dafür reichlich. Und wenn dann ein Plan steht, der allen gefällt, dann könnte ein Spielplatz-Aktionstag die Eltern sicherlich zur Mithilfe motivieren.

Gemeinsam könnte es gehen

Mehr noch: Mit einer Spielplatz-Familienolympiade könnten die Kinder des Stadtteils selbst Spenden für ihren Spielplatz sammeln – angelehnt an das Konzept der Sponsorenläufe. Viele Akteure rund um den Spielplatz könnten sich beteiligen: die Caritas, die AWO, die Senioren, die Geschäftsleute, die Schulen. Gemeinsam ginge sicherlich einiges. Mit Sabrina und ihrem Mann stehen schon zwei Menschen bereit, die sich engagieren wollen – aber noch nicht wissen, wie sie etwas erreichen können.

Bänke zum Hinsetzen, Zusehen, Ausruhen

„Bänke fehlen“, sagt Sabrina, „und die, die da sind, sind schmuddelig oder ohne Lehne.“

Spielplatz Sperberweg

Bänke ohne Lehne sind unatraktiv, besonders für Senioren. Stehen sie unter den Bäumen, werden sie außerdem leicht Ziel von Vogelkot.

Die Senioren, die hier mit ihrem Rollator durchschieben, könnten sich auf die Bänke setzen und den Kindern beim Spielen zusehen, während sie sich ausruhen – vorausgesetzt die Bänke sind sauber und haben eine Lehne. Eltern könnten von den Bänken aus ihre Kinder beaufsichtigen, vorausgesetzt, die Bänke stehen so, dass sie ihre Kinder auch sehen. Familien oder auch Seniorengruppen könnten miteinander ins Gespräch kommen, picknicken, wenn es ganze Sitzgruppen gäbe, in denen sich die Leute ansehen und nicht nur nebeneinander sitzen.

Bei den riesigen Bäumen lassen sich Bänke sicherlich so aufstellen, dass sie im Schatten, aber nicht direkt unter den Kronen stehen. Das könnte die Verdreckung durch Vogelkot mindern.

Spielplatz Sperberweg

Diese Sitzgruppe, wie sie auf einem Spielplatz in Lingen steht, ist bequem, leicht zu säubern und wenig schmutzanfällig.

Spielgeräte: Konzeptüberarbeitung sinnvoll

Kinder aller Altersgruppen wohnen im Viertel – und es werden mehr, hat Sabrina beobachtet. Der Spielplatz Sperberweg hat an Voraussetzungen alles, was ein Spielplatz braucht: Schatten durch Bäume, große Rasenflächen, Büsche zum Verstecken-Spielen und die nächste Straße ist weit weg. Aber die Anlage der Spielgeräte ist nicht so sinnig. „Kinder spielen doch auch altersübergreifend miteinander, vor allem wenn es Geschwister sind“, sagt Sabrina, „wieso ist dann der Kleinkindbereich so weit weg von den anderen Spielecken?“ Sie wäre dafür, die Spielgeräte näher zusammenzuziehen.

Spielplatz Sperberweg

Die Spielgeräte stehen weit auseinander und wirken verloren.

Eigentlich hat der Spielplatz Sperberweg alle möglichen Spielgeräte: Wipptiere, Sandflächen, Turnstangen, Bagger, Spielhaus, Tellerkarussell, verschiedene Schaukeln, Rutschen, Klettergerüste, Hügel … Aber da die Geräte so weit auseinander stehen, haben sie keinen Bezug zueinander und wirken verloren. Spiele wie „Treibsand“ sind hier schwierig.

Spielplatz Sperberweg

Der Hügel ist prädestiniert für eine Matsch-Anlage: Gefälle ist schon da.

Die Sandflächen sind außerdem nur als Knautschzone gedacht für Kinder, die vom Gerüst fallen. Setzt sich hier ein Kind zum Burgenbauen hin, sitzt es in der „Gefahrenzone“. Gerade auf dem Spielplatz Sperberweg wäre eine tolle Möglichkeit für eine große Matsch-Anlage: Eine Pumpe, ein Wasserlauf und eine Matschgrube am Ende.

Spielplatz Sperberweg

Das Kombi-Klettergerüst hält Sabrina für gefährlich. Bei den Kindern kommt es offenbar auch nicht so gut an.

Gefährlich findet Sabrina Buck das Kombi-Spielgerüst: Als ausgebildete Erzieherin und Ergotherapeutin fragt sie sich: Was sollen Kinder damit? „Es sind auch ganz selten welche drauf“, sagt sie. Die Sprossen sind so hoch, dass die untere selbst für sie als Erwachsene schlecht zu erreichen ist, und sie sind weit auseinander.

Spielplatz Sperberweg

Selbst Sabrina als Erwachsene hat Schwierigkeiten, die untere Sprosse mit dem Fuß zu erreichen.

Auf der Fläche vor der Rutsche oben können Eltern nicht helfend eingreifen, die Plattform ist zu hoch – und obendrein klein und zu einer Seite ungesichert offen.

Spielplatz Sperberweg

Nur eine kleine Fläche für die Kinder vor der Rutsche und schwierige Eingriffmöglichkeiten für Eltern durch die Höhe machen die Rutsche schwierig zu nehmen.

Die Kletterwand führt ins Nichts – warum sollte ein Kind hier hochklettern wollen?

Spielplatz Sperberweg

Die Kletterwand …

Spielplatz Sperberweg

… führt ins Nichts.

Möchtegern-Kleinkindbereich

Zunächst wie ein Bereich extra für die Kleinen wirkt die Sandfläche an der einen Seite des Spielplatzes. Auf den zweiten Blick allerdings zweifle ich: Welches Kleinkind schafft es, den Bagger (nicht im Bild) zu betätigen? Auch die Bänke im Häuschen sind recht hoch und aufs Dach können die Kleinen sowieso nicht klettern.

Spielplatz Sperberweg

Zu hoch für Kleinkinder sind die Bänke im Spielhaus.

An den Turnstangen können sie noch nicht turnen. Die Babyschaukel ist weit weg. Und die Sandfläche nicht umrandet: Schnell ist das Kind draußen oder ein Hund drinnen.

Spielplatz Sperberweg

Wie ein Kleinkindbereich mutet diese Fläche an – allerdings nur auf den ersten Blick.

Spielgeräte mit Altersschwächen

Manche Spielgeräte sind schon etwas in die Jahre gekommen – und das sieht man ihnen an: Das Material ist spröde oder morsch.

Spielplatz Sperberweg

Das Material der Babyschaukel hat schon unter Wetter und Jahreszeiten gelitten.

Aber hier haben die TBR ein Auge drauf, denn Sicherheit ist nicht nur bei Eltern ein ganz wichtiges Kriterium für einen Spielplatz, sondern für die Stadt ebenfalls.

Spielplatz Sperberweg

An manchen Spielgeräten frisst der Moder.

Hunde auf dem Spielplatz?

Apropos. Fakt ist: Hunde sind auf dem gesamten Gelände verboten. Fakt ist auch: Besitzer gehen hier trotzdem mit ihnen spazieren – und nicht alle machen die Haufen weg. Deswegen geht die Stadt hier Streife und bittet Hundebesitzer zur Kasse. „Die Stadt kontrolliert aber nur tagsüber“, sagt Sabrina, „die Anwohner lassen ihre Hunde aber vor allem morgens und abends den Spielplatz Sperberweg als Hundeklo benutzen.“ Und das seien nicht die Familien mit Kindern, die nähmen wieder mit, was ihr Tier hinterlasse.

Spielplatz Sperberweg

Hundekot direkt neben dem Weg birgt Gefahren für Kinder.

„Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn der Weg für die Hunde freigegeben würde, dann müssen nämlich auch Eltern nicht mit Kind und Hund an der Straße laufen, sondern können hier ganz entspannt entlanggehen“, sagt Sabrina. „Nur auf den Spielflächen haben Hunde eben nichts zu suchen – und ihre Haufen sowieso nicht.“ Leider sind die Spielflächen nicht abgeschirmt vom Weg, auch die Sandfläche für die Kleinkinder hat keine Umrandung, die einem Hund signalisieren würde: Achtung – Sperrgebiet!

Hunde auf Spielplätzen oder in Spielplatznähe sind immer eine schwierige Geschichte, da gibt es hitzige Diskussionen“, weiß Annette Wiggers vom Jugendamt der Stadt Rheine; sie ist verantwortlich für die Spielplatzplanung. Ob ein „Hundeparkplatz“ mit Gassibeutelspender oder die Freigabe des Weges für Hunde überhaupt angedacht würden, sei daher eine Entscheidung, die mit Vorsicht zu genießen sei.

Schön wäre es, wenn für die Gassibeutel mehr Mülleimer da wären“, sagt Sabrina, denn die wenigen Mülleimer stehen auf der großen Fläche extrem weit auseinander.

Spielplatz inklusiv gestalten

Der Weg durch den Spielplatz Sperberweg ist nicht befestigt. Hier könnte etwas getan werden für Rollstuhlfahrer, Rollator-Schieber und – wenn sie denn erlaubt werden sollten – Radfahrer mit Hund.

Spielplatz Sperberweg

Viele alte, große Bäume machen den Spielplatz Sperberweg zu einem parkähnlichen Gleände.

Überhaupt: Der Spielplatz Sperberweg ist so riesig, wenn irgendwo Spielgeräte für Menschen mit Behinderung aufgestellt werden könnten, dann hier. Eine Rollstuhlschaukel ist zwar sehr teuer und anscheinend auch nicht so einfach zu bedienen, sodass sie auf öffentlichen Spielplätzen schwer einsetzbar ist. Aber ein gut zugänglicher Basketballplatz, der auch niedrige Körbe bereithält (für Kinder und Rollstuhlfahrer) oder ein Barfußpfad für Menschen, die sich auf ihren Tastsinn verlassen müssen, wären doch schöne Ideen.

Impuls von der Stadt – Engagement aus dem Stadtteil

Solche hochtrabenden Wünsche jedoch hat Sabrina gar nicht. „Ich will mein Kind hier einfach bedenkenlos laufen lassen können“, sagt sie. Sie wünscht sich einen Anstoß von der Stadt – zum Mitmachen, sagt sie, kriegen wir die Leute dann wohl. Auch Sponsoren ließen sich sicherlich finden – sei es Geld oder Material, was gespendet wird. „Wir müssen nur wissen, was wir überhaupt tun können – und wie“, sagt Sabrina.

Erst einmal habe ich ihre Anregungen an Annette Wiggers weitergegeben, der sie gerade recht kommen, denn sie befasst sich mit der Vorplanung für die Spielflächen-Bedarfsplanung. Außerdem will Sabrina den Stadtteilbeirat Eschendorf um den Vorsitzenden Jürgen Komm anschreiben. Vielleicht sucht der ja noch nach Ideen für den Stadtteilwettbewerb, der 10.000 Euro Start- und Preisgelder vergibt an die besten Ideen unter dem Motto „Voneinander lernen – interkulturell, generationsübergreifend“.

Ich halte euch auf dem Laufenden, was den Spielplatz Sperberweg angeht – mal sehen, was wird …