Spielplatzbedarfsplan Rheine 2017 – Runde II

Spielplatzschließungen wahrscheinlich – Entscheidungen im Januar

Am Montag war die zweite Sitzung zum Spielplatzbedarfsplan Rheine 2017 mit den Stadtteilbeiräten. Infolge der ersten Sitzung hatten die Stadtteilbeiräte die Spielplätze in ihrem Stadtteil anhand eines Fragebogens eingeschätzt – zu diesen Bögen wurden nun die Ergebnisse vorgestellt.

Hintergrundinformationen zum Spielplatzbedarfsplan Rheine 2017

Brauchen Schulkinder heute noch Spielplätze?

„Kinder brauchen Spielplätze, die sie nah und rasch und unmittelbar erreichen können“, sagte Annette Wiggers, verantwortlich beim Jugendamt für die Spielplatzplanung. Besonders dort, wo Wohnblöcke stünden, seien Spielplätze sehr wichtig, denn die Häuser verfügen nicht unbedingt über kinderfreundliche Gemeinschaftsgärten und die Balkone, wenn vorhanden, sind klein.

Geändert hat sich aber schon etwas: 30 Prozent aller Grundschüler in Rheine nutzen den Offenen Ganztag, rechnet man die Übermittagbetreuung hinzu, sind heute 45 Prozent aller Rheiner Grundschüler den meisten Tag an das Schulgelände gebunden. Sie suchen Spielplätze vor allem nach 16 Uhr, am Wochenende und in den Ferien auf. Bleiben aber immer noch 55 Prozent der Schulkinder, die auch schon ab dem Mittag Spielflächen außerhalb der Schulen brauchen. Wenn sie nicht nachmittags unterwegs sind, denn zusätzlich sorgt das breite Vereinsangebot in Rheine dafür, dass Kinder Spielplätzen fern bleiben.

Bei den Ü3-Kindern seien 97 Prozent in der Kita, also auch erst nachmittags auf dem Spielplatz. „Kinder haben heute eine volle Woche, um so wichtiger ist es dann aber in der nicht verplanten Zeit, dass sie Flächen für das freie Spiel vorfinden“, sagte Wiggers.

Wer nutzt Spielplätze besonders stark?

Haben die Schulkinder und älteren Kindergartenkinder heute weniger Zeit für den Spielplatz, besteht bei den U3-Kindern eine geringere Betreuungsquote durch Kitas. Sie werden von ihren Eltern, Verwandten oder Tagesmüttern betreut, die alle den Spielplatz ganztägig gern mehrfach und massiv nutzen. „In diesem Zusammenhang haben wir überlegt, ob wir die Spielflächen von Kitas außerhalb der Öffnungszeiten öffentlich zugänglich machen können“, sagte Annette Wiggers, „haben uns aber dafür entschieden, dies nur bei Neuplanungen von Kitas zu beachten, da bei den bestehenden Kitas der Zugang zum Gelände nicht so geregelt werden könnte, dass die Spielfläche vor Vandalismus geschützt ist.“

Gibt es Stadtgebiete, die gar keinen Spielplatz mehr benötigen?

Bezüglich des demografischen Wandels sei zu erwarten, dass heute überalterte Stadtteile schon in fünf bis zehn Jahren wieder von jungen Familien bewohnt würden, sagte Wiggers – so ja auch der Fall rund um den Spielplatz Sperberweg.

Welche Möglichkeiten gibt es weiterhin, Spielflächen gut auszulasten?

Im Rahmen des Sportentwicklungsplans wurde der Stadt Rheine empfohlen, sämtliche Schulhöfe bewegungsfreundlicher zu gestalten und außerhalb der Schulzeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem sollen dezentral und stadtteilübergreifend multifunktionale Flächen für Sport, Spiel und Bewegung geschaffen werden, die generationenübergreifend genutzt werden. Sportvereine, die ihre Sportanlagen der Öffentlichkeit zugänglich machen, sollen außerdem einen Zuschuss zum Unterhalt bekommen.

Ergebnisse des Fragebogens für die Stadtteilbeiräte zum Spielplatzbedarfsplan Rheine 2017

Ampelsystem enthüllt Überplanungsbedarf

Birgit Schumann von den TBR hatte die Bewertungen der Stadtteilbeiräte in einem Ampelsystem anschaulich dargestellt. Über 90 Prozent der Spielplätze wurden von den Stadtteilbeiräten begutachtet.

  • Die Lage und Erreichbarkeit wurde bei fast allen mit „grün“ bzw. „gelb“ bewertet, lediglich der Bolzplatz Verdistraße in Dutum und der Spielplatz Steinkamp in Mesum seien isoliert und versteckt.
  • Die Ausstattung wurde bei rund 38 Prozent mit „grün“, bei ca. 40 Prozent mit „gelb“ und bei bis zu 10 Prozent mit „rot“ bewertet – hier ist also noch Verbesserungspotenzial.
  • Die Gestaltung für verschiedene Altersgruppen und die Abwechslung auf den Spielplätzen wurde jeweils nur bei einem Drittel der Spielplätze mit gut bewertet – eine Überarbeitung der Spielplatzkonzepte würde hier also helfen. Mehr Grün und mehr Schatten waren Wünsche, die die Stadtteilbeiräte an die Spielplätze stellten.
  • Genutzt werden die Spielplätze vor allem von Kindern bis 12 Jahre (ca. 40 Prozent), 13- bis 18-Jährige nutzen die Spielplätze nur in 9 Prozent der Fälle.
  • Hundekot und Vandalismus betreffen einige Spielplätze in Dutum-Nord, Gellendorf, Eschendorf-Süd und Südesch.

Stadtteilbeiräte entscheiden nicht

Dieter Fühner, Leiter des Unterausschusses Spielplätze, betonte noch einmal, dass die Stadtteilbeiräte nur beratende Funktion hätten, nicht aber die Entscheidungen über Spielplatzrenovierungen oder -schließungen träfen. „Wir wollen die Stadtteilbeiräte nicht angreifbar machen für Kritik aus der Bevölkerung“, sagte Fühner. Erst wenn auch die fachliche Einschätzung von TBR und Stadt zu dem Schluss komme, dass Handlungsbedarf bestehe, würden Spielplätze renoviert oder geschlossen. Für diese Entscheidung zieht die Stadt Bevölkerungsdaten heran, damit Spielplätze vor allem dort genutzt werden können, wo auch Familien mit Kindern wohnen.

Handlungsbedarf und Handlungsentscheidungen bezüglich des Spielplatzbedarfsplans Rheine 2017

Sofortiger, mittel- oder langfristiger Handlungsbedarf wurde in jedem Stadtteil für einige Spielplätze angemeldet. Einige Spielplätze wurden auch zur Schließung vorgeschlagen, weil ihr Zustand schlecht ist und sie kaum genutzt werden, darunter z. B. die Spielplätze Ernteweg und Dille in Mesum, die Spielplätze Augustusring, Laustraße und Schützenstraße in Eschendorf, die Spielplätze Alfredstraße und Tristanstraße im Schotthock, der Spielplatz Lupinenstraße in Hauenhorst, der Spielplatz Brechtestraße in Bentlage/Wadelheim/Wietesch/Schleupe und die Spielplätze Ulmenstraße, Lilienthalstraße und Verdistraße in Dutum (die Liste ist nicht vollständig!).

Alternativen für Dutum

Bei den letzteren drei sind zwei Lösungen angedacht: Entweder werden die Spielplätze Ulmenstraße und Lilienthalstraße mit Mitteln der „Sozialen Stadt Dorenkamp“ aufgewertet und der Bolzplatz Verdistraße geschlossen. Oder die beiden ersteren Spielplätze werden geschlossen und auf dem großen Gelände der Verdistraße entsteht ein neuer Spielplatz – der dann auch nicht mehr so abgelegen und dunkel daliegen soll.

Alle Handlungsempfehlungen werden nun noch einmal gründlich vorbereitet durch die Fachleute von Stadt und TBR und dann in der öffentlichen Unterausschusssitzung am 23. Januar zur Diskussion gestellt.

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