Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Mehr Design als Spielwert – Motive der Stadt Rheine?

Bild: Die Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt gestaltet sich unbefriedigend, zeigt mein Spielplatz-Check.

Im Vorfeld des Interviews mit unserem Bürgermeister hatte mir ein Vater die Frage mitgegeben: Wieso wurde bei der Planung der Ems-Galerie kein Spielplatz mitgeplant? Daraufhin habe ich die Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt mal unter die Lupe genommen.

Laut Stadtplan gibt es in der Rheiner Innenstadt vier Spielplätze, die habe ich alle dem Spielplatz-Check unterzogen:

Spielinsel mit geringem Aufenthaltswert

Die ersten drei würde ich als „Spielinseln“ bezeichnen, da sie nur aus ein oder zwei Spielgeräten bestehen. Die Spielinseln Klosterstraße und Humboldtplatz liegen allerdings beide an Durchgangsorten, sodass Eltern sich hier mit ihren Kindern nicht für eine Pause zurückziehen können.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Die Spielgeräte der Spielinsel Humboldtplatz sind vom Design her hübsch, lassen allerdings wenig Betätigung zu. Der „Wirbel“ steht auf Stein, was beim Fallen nicht so angenehm ist.

Ständig müssen wir das Kind im Auge behalten, damit es nicht zwischen die Passanten gerät oder unter die Räder eines Rades oder Lieferwagens. Außerdem sind die Spielmöglichkeiten sehr beschränkt, sodass die Kinder schnell die Lust verlieren, wenn sie überhaupt in dem Alter sind, für das die Geräte vorgesehen sind. In Ruhe vom Einkauf verschnaufen, einen Snack essen oder ein Buch anlesen – hier nicht möglich.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Die Wipptiere der Spielinsel Klosterstraße sind nur für eine sehr begrenzte Altersgruppe interessant.

Staelscher Hof verbessert nicht Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Der Wasserlauf im Staelschen Hof ist eigentlich eine schöne Idee – mit einigen Planungsschwächen:

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Schön anzusehen ist die Spielinsel Staelscher Hof, aber Eltern müssen hier ihre Kinder ständig im Blick behalten, damit sie nicht ins Wasser fallen.

Der Wasserlauf verläuft über einem Wasserbecken, sodass Kinder ihn nur an drei Stellen überhaupt erreichen, wollen sie nicht bis zum Knie im Wasser stehen. (Meist sind es wir Eltern, die das nicht wollen.) An nur zwei Stellen können sie den Wasserlauf überhaupt beeinflussen, ansonsten fließt das Wasser einfach durch – zugegeben – sehr dekorative Edelstahlvorrichtungen.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Die Lokomotive ist wohl eher Kunst als Spielgerät.

Deswegen fand unsere Tochter den Wasserlauf vor allem jetzt im Winter interessant, als kein Wasser da war: Sie konnte durch die Becken stapfen und z. B. die Schaufelräder drehen, die sonst überhaupt nicht zu erreichen sind, und über den Wasserlauf klettern. Ich wiederum musste nicht bei jeder ihrer Bewegungen darauf achten, dass sie sich komplett unter Wasser setzt – oder gar reinfällt. Das Wasserbecken ist flach, aber immer noch tief genug, damit ein Kleinkind darin ertrinken kann. Im Sommer ist das Becken außerdem meist ausreichend voller Müll, dass mich das Wasser ekelt und ich die Hände meiner Tochter nur mit ganz viel Ach-was-ist-schon-Hygiene darin verschwinden sehen kann.

Ansonsten kann man hier zwar schön sitzen, müsste man nicht ständig das Kind vorm Ertrinken beschützen, aber auch hier ist außer dem wenig spielfördernden Wasserlauf wenig zu tun: Die Eisenbahn ist wohl eher als Kunstobjekt gemeint, nach einmal Raufklettern merkt das Kind, dass es hier wenig Spannendes gibt, und der unvermeidliche „Wirbel“ sieht zwar stylisch aus, hat aber auch nur begrenzten Spielwert.

Spielplatz Falkenhof gibt mir Rätsel auf

Mit dem Spielplatz Falkenhof verbindet mich eine etwas längere Geschichte: Erst mal musste ich ihn überhaupt entdecken. Das gelang mir bei einem Blick durchs Fenster, als ich bei der Eröffnung des neuen FBS-Standorts zu Gast war. Der Spielplatz Falkenhof ist von allen Seiten so optisch abgeriegelt, dass man ihn schon extra suchen muss. Und dafür muss man erst mal zehn Minuten Fußweg von Emsstraße oder Marktplatz aus auf sich nehmen. Für einen Abstecher vom Einkauf ist er also kaum geeignet, wenn ich allein mit Hin- und Rückweg 20 Minuten verbringe.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Ziemlich versteckt liegt der Spielplatz Falkenhof. Von ihm blickt man auf das Emswehr mit dem ehemaligen Kornspeicher.

Ich wählte den Zugang vom Ems-Wehr her, da ich um den vom Falkenhof aus nicht wusste, und stellte fest, dass es hier nur eine ewig lange Treppe gibt – super für Kinderwagen …

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Vom Emswehr aus gelangt man nur über eine Treppe zum Spielplatz Falkenhof.

Dann war ich endlich da und mein erster Gedanke war: Wo ist die Gebrauchsanweisung für diesen Spielplatz?! Die Frage habe ich dann auch gleich dem AB des Verantwortlichen bei der Stadt gestellt, bekam einen Rückruf von einem verständnislosen Herrn, der aber versicherte, der Spielplatz sei oft gut besucht. (Ich war jetzt mehrmals da zu verschiedenen Tages- und Wochenzeiten, habe aber nie jemanden gesehen.) Die Funktion der Spielgeräte könne ich mir bei Hersteller conlastic ansehen.

Zweifelhafter Spielwert des Spielplatzes Falkenhof

Gesagt – getan. Leider fand ich auf der Seite der Firma nur die Spielgeräte, die ich mir auch noch halbwegs selbst erklären konnte. Auf Anfrage an die Firma bestätigte die, dass die anderen Spielgeräte auch gar nicht von ihr stammten. Ich hätte da noch mal bei der Stadt nachhaken können, aber es kam was dazwischen und ist dann in der Versenkung des Alltags verschwunden. (Deswegen weiß ich auch den Namen des Herrn bei der Stadt nicht mehr.)

Meine Kritik an dem Spielplatz: zu viele gleiche Spielanreize und wenig kindgerechte Geräte.

1. Hügel und Tunnel

Hügel und Tunnel finde ich super – allerdings erhöht der fünfte Tunnel die Attraktivität dann auch nicht mehr. Die Hügel sind generell sehr steil – unsere Tochter kommt nur mit Hilfe laufend hoch. Außerdem sind sie aus diesem Gummizeug, das auch für die Laufbahnen im Stadion verwendet wird. Wenn man darauf hinfällt, gibt das schöne Wunden an den Knien von der Reibung.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Hügel und Tunnel sind toll, aber der fünfte von ihnen erhöht nicht mehr die Attraktivität.

Weiterhin sind die „Karussells“ allesamt auf den Hügeln platziert, was das Daraufklettern für kleine Kinder stark erschwert und die Fallhöhe steigert, wenn das Karussell dem Kind mal außer Kontrolle gerät. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

2. Karussells

Von den sogenannten „Fortissimo“-Karussells gibt es sage und schreibe 13 Stück auf dem Spielplatz! Klar ist es schön, wenn es ein Spielgerät doppelt gibt, damit sich die Kinder nicht ständig darum streiten – aber 13?! So attraktiv ist das Ding nun auch nicht – und außerdem schwer zu handhaben für Kinder. Im Wortsinn – Punkt 3.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

13 Karussells derselben Sorte gibt es auf dem Spielplatz Falkenhof. Abwechslung – Fragezeichen?

3. Kletterelemente

Schon meine Erwachsenenhand kann ich nicht sicher um die dicke Stange schließen – wie soll ein Kind es schaffen, an diesen Stangen tatsächlich zu klettern oder zu turnen, ohne abzurutschen? Ist mir rätselhaft. Ich hätte daher gern mal Kinder in Aktion an den Geräten gesehen, aber wie gesagt: Ist ja nie eins da, wenn ich da bin.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Schon meine Hand kann ich nicht sicher um eine Turnstange schließen – wie macht das ein Kind?

Aber gut: Der Slogan des Unternehmens ist „Spielen ist schön“ – und der Spielplatz ist von einem ästhetischen Standpunkt aus tatsächlich „schön“. Nur leider ist er weniger schön bespielbar. Vielleicht hat sich das auch einer der Planer gedacht und etwas verschämt eine stinknormale, völlig designlose Rutsche eingebaut. Punkt 4.

4. Rutsche, Schaukel, Sand

Die Kernelemente eines jeden Spielplatzes: Rutsche, Schaukel, Sand. Der Sand ist okay: genug da und sauber. Eine Schaukel gibt es hier dagegen gar nicht, auch keine Wippe oder anderes „Hoch-Runter-Spielzeug“. Und die Rutsche erfordert schon einiges an Kompetenz: Zunächst ist der Aufgang ausgesprochen steil, selbst ich muss mich da konzentrieren; unsere Tochter schafft es nur in Begleitung. Zweitens ist der Raum oben um die Rutsche so eng, dass das Kind auch keinen großen Spielraum für ein Straucheln beim Aufstieg hat. Und drittens ist die Rutsche so breit, dass ein Kleinkind sich nur an einer Seite festhalten kann – okay, jetzt werde ich pingelig.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Die Rutsche ist aufgrund der Steigung für kleine Kinder schwer zu erreichen.

5. Wackeliges

Den Sinn der Balken und des Kreises dagegen erschließt sich mir nicht: Setze ich mich auf den Kreis, dreht er sich und ich rutsche durch die Zentrifugalkraft runter, weil ich mich nicht richtig festhalten kann. Würde gern mal sehen, wie Kinder das machen: Setzen die sich rittlings darauf? Und falls ja, wie schaffen sie das schnell genug, bevor das Karussell sie wieder runterschmeißt?

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Bei diesem Karussell kan man sich kaum festhalten, das wirkt gefährlich.

Die Balken halte ich sogar für gefährlich: Schon die unebene, gebogene, glatte Oberfläche würde ein Balancieren erschweren – jetzt kippt der Balken aber auch noch nach rechts und links. Ich weiß, wie schwierig das Balancieren auf einer Slackline ist – das hier stelle ich mir ähnlich vor. Ausprobiert hab ich’s nicht, wollte keinen Bruch riskieren. Letztlich erschließt sich mir nicht, warum die Geräte ausgewählt wurden: Sie sehen nicht mal besonders stylisch aus, wirken eher billig – was sie sicher nicht waren.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt

Hin und her kippt er Balken bei der kleinsten Berührung.

Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt unbefriedigend, sagt der Bürgermeister

Insgesamt ist die Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt also unbefriedigend. Zu meiner Überraschung sieht das unser Bürgermeister auch so: „Der Spielplatz am Falkenhof ist zu weit weg. Wir brauchen etwas Zentrales, ich könnte mir da den Staelschen Hof vorstellen. Wenn wir eine Lösung für Hertie finden, dann müssen wir auch den Staelschen Hof aufwerten und dazu gehören dann auch Spielmöglichkeiten. Ich bin in regelmäßigem Austausch mit dem Innenstadtverein, der das auch so sieht“, sagte Dr. Peter Lüttmann in meinem Interview.

Nun konnte ich ihn schlecht fragen, warum er bei der Planung der Ems-Galerie keinen Spielplatz berücksichtigt hat – er hat die Ems-Galerie ja nur „geerbt“. Aber vor Kurzem habe ich die Verantwortliche für die Spielplatzplanung beim Jugendamt der Stadt Rheine, Annette Wiggers, kennengelernt. Sie habe ich gefragt:

a) warum auf dem Gelände der Ems-Galerie kein Spielplatz geplant worden ist und
b) welche Motive bei der Gestaltung des Spielplatzes Falkenhof ausschlaggebend waren.

Statement der Stadt zur Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt folgt

Sie hat geantwortet, mein Anliegen werde in der Sitzung des Unterausschusses Kinderspielplätze am 22. Februar (also heute) beraten, sie werde sich dann melden. Da ich aber den Artikel schon für heute eingeplant hatte, liefere ich das Statement der Stadt zur Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt nach – ich hoffe, euch stört das nicht.

Wenn ihr gute Anregungen habt zur Spielplatzsituation in der Rheiner Innenstadt, dann kommentiert diesen Beitrag oder postet eure Meinung auf Facebook – danke!