Wie versteure ich mein Kind richtig?

Steuertipps für Eltern von einem Rheiner Steuerberater und Vater

Sebastian Hemsing habe ich beim Babyschwimmen unserer Töchter kennengelernt. Er ist damit der erste Steuerberater, den ich in Badehose gesehen habe – meines Wissens. Das senkt meine Scheu, Fragen zu stellen, die ich ja eigentlich inzwischen selbst beantworten können sollte – bin ja jetzt schon ein paar Monate länger „Eltern“ …

Steuertipps für Eltern

Sebastian mit seiner Tochter © Familie Hemsing

Sebastian, du bist Steuerberater und Vater: Lohnt es sich aus steuerlicher Sicht, Kinder zu haben?

Puh, da muss ich rechnen … Also: Man geht in etwa davon aus, dass ein Kind 130.000 Euro bis zu seinem 18. Lebensjahr kostet.

(Sebastian verschanzt sich mit Taschenrechner hinter seinem Rechner und rechnet und tippt und rechnet und tippt und rechnet und – präsentiert mir anschließend ein beeindruckendes Ergebnis auf einer ganzen A4-Seite, das aber leider meine Vermutung bestätigt …)

Nach meiner Beispiel-Rechnung kommt es da zu einer Steuerentlastung von 53.372,98 Euro über 18 Jahre. Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass sich ein Kind aus rein steuerlicher Sicht nicht lohnt, denn die allerwenigsten Eltern haben ein extrem hohes Einkommen und können gleichzeitig alle Vergünstigungen nutzen.

Das ist natürlich nur eine Beispielrechnung – ob diese Steuererleichterung zutrifft, muss immer ganz individuell geprüft werden.

Steuertipps für Eltern

Zum Reichwerden taugt Kinderhaben leider nicht, aber hier und da lässt sich ein Vorteil herausschlagen. (Quelle: stevepb auf pixabay)

Was noch? Ach ja: Eltern mit einem behinderten Kind können auch spezielle Kosten steuerlich geltend machen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, von seinem Arbeitgeber einen Kindergartenzuschuss zu erhalten. Dieser mindert zwar Sonderausgabenabzug für Betreuungskosten, aber spart auch noch Sozialabgaben und erhöht das monatliche Netto-Einkommen.

Auch die Förderung durch die sogenannten Riester-Verträge sollte man nicht vergessen!

Bald steht wieder die Einkommenssteuererklärung an. Welche Kosten, die im Leben von Eltern entstehen, können sie steuerlich geltend machen?

Dazu lohnt es sich, meine Beispielrechnung anzusehen, da stehen die einzelnen Sachen drin. Zu beachten ist allerdings, dass Kosten für die Beherbergung, Betreuung und Verpflegung grundsätzlich nicht abzugsfähig sind. Das heißt z.B., anders als das Büro in der eigenen Wohnung kann man das Kinderzimmer nicht steuerlich geltend machen.

Der Abzug von Kinderbetreuungskosten setzt voraus, dass ihr dafür eine Rechnung erhalten habt und den Betrag an die entsprechende Person überwiesen habt. Barzahlungen und Barschecks erkennt der Fiskus nicht an. (Dazu könnt ihr auch meinen Beitrag zum Babysitting lesen.) Wird euer Kind in einem Kindergarten oder Hort betreut, genügen der Bescheid des Trägers über die zu zahlenden Gebühren und der Überweisungsbeleg. Steuerlich geltend machen könnt ihr:

  • die Unterbringung von Kindern in Kindertagesstätten, -horten, und -krippen sowie bei Tagesmüttern und in Ganztagspflegestellen;
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und Kinderschwestern;
  • die Beschäftigung von Haushaltshilfen, soweit sie Kinder betreuen;
  • die Beaufsichtigung von Kindern bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben.

Nicht berücksichtigt werden allerdings Kosten für (Nachhilfe-)Unterricht, für sportliche und andere Freizeitbetätigungen sowie für die Verpflegung des Kindes – den Fußballverein müsst ihr also weiterhin ganz allein zahlen, auch wenn euer Kind in dieser Zeit de facto ja „betreut“ wird.

Steuertipps für Eltern

(Quelle: NeuPaddy auf pixabay)

Ein Fußballverein ist also kein Babysitter – der Meinung ist der Fußballverein in der Regel auch. Müssen Eltern denn bei der nächsten Steuererklärung etwas beachten, das für 2015 noch anders war?

Ab 2016 gibt es ein paar Euro mehr Kindergeld: Eltern bekommen für das erste und zweite Kind ein Kindergeld in Höhe von 190 Euro, für das dritte Kind 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind je 221 Euro.

Der Kinderfreibetrag fällt ab 2016 mit 7.248 Euro ebenfalls etwas höher aus.

Einen höheren Kinderzuschlag zum Kindergeld gewährt der Fiskus seit Juli 2016: Der Höchstbetrag lag bei 160 Euro monatlich für jedes Kind; zuvor waren es 140 Euro. Zum Jahresanfang 2017 steigt der Kinderzuschlag auf 170 Euro. Geringverdiener können diese Sozialleistung bei der Familienkasse beantragen.

In der beitragsfreien Familienversicherung erhöht sich die Einkommensgrenze von 405 Euro auf 415 Euro im Monat – Hintergrund: Familienangehörige des Versicherten sind in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert, wenn ihr Gesamteinkommen ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nicht überschreitet

Ein Siebtel – jetzt weiß ich, wozu ich Bruchrechnen in der Schule hatte … Das alte Jahr ist um, die Steuerklärung für 2017 ist noch fern, aber Belege sammeln muss man ja das ganze Jahr über. Welche Belege sollten Eltern in diesem Jahr auf jeden Fall behalten?

Auf jeden Fall den Gebührenbescheid vom Kindergarten, Nachweise zu Versicherungsbeiträgen für die Kinder, Schulgeldnachweise und Belege für Kinderbetreuungskosten. Das Finanzamt fordert die Belege, die es sehen will, allerdings nur noch bei Bedarf an, ihr müsst von euch aus also keine Belege mehr einreichen. Das gilt insbesondere für Spendenquittungen, die ihr bisher zwingend vorlegen musstet, also z. B. die Spende für das Sommerfest des besagten Fußballvereins.

Statt sie vorzuzeigen, müsst ihr Belege, die nicht vom Finanzamt angefordert werden, nun ab Erhalt des Steuerbescheids noch ein Jahr aufheben (§ 50 Abs. 8 EStDV).

Steuertipps für Eltern

Der Alptraum jedes Steuerberaters: Kisten voller ungeordneter Belege. (Quelle: jarmoluk auf pixabay)

Ändert sich für das laufende Steuerjahr für Eltern etwas?

Bislang nicht, weitere Änderungen sind aber möglich, es ist ja Wahljahr und das Jahressteuergesetz wird immer erst im Herbst beschlossen!

Wie ist es eigentlich mit Kindern? Müssen die auch schon Steuern zahlen?

Ja, da gibt es keine Altersgrenze. Dies kann auch eine ganz nette Gestaltungsmöglichkeit sein, da jeder Steuerpflichtige einen Grundfreibetrag und einen Anspruch auf den Sparerpauschbetrag hat. Wer also größere Kapitalerträge erzielt, sollte prüfen, ob er diese nicht auf seine Kinder umschreiben lassen kann.

Den Kinderfreibetrag erhält man ja automatisch, und zwar zu gleichen Teilen auf beide Eltern verteilt. Kann man den Kinderfreibetrag oder die Kinderfreibeträge bei mehreren Kindern auch anders verteilen, steuerlich günstiger?

Nicht wirklich: Die etwaige steuerliche Auswirkung des Kinderfreibetrags ergibt sich erst im Rahmen der Einkommensteuer-Veranlagung. Eine Verteilung ist zwar möglich, aber spätestens mit Abgabe der Einkommensteuererklärung wird diese hinfällig.

Steuertipps für Eltern

Manchmal bringt auch Hin- und Herrechnen nichts. (Quelle: stevepb auf pixabay)

Können wir uns also sparen. Welche Besonderheiten müssen Eltern beachten, wenn sie bei der Einkommenssteuererklärung das Elterngeld mit angeben müssen? Kann es da irgendwelche Überraschungen geben?

Grundsätzlich unterliegt das Elterngeld dem Progressionsvorbehalt, das heißt: Gewisse steuerfreie Einkünfte können den für die steuerpflichtigen Einkünfte maßgeblichen Steuersatz erhöhen und dann indirekt trotz Steuerfreiheit zu einer Erhöhung der Steuerschuld führen. Dies wird man auch nicht vermeiden können.

Es ist allerdings wesentlich wichtiger, sich zur Gestaltung der Bemessungsgrundlage vorher Gedanken zu machen. Hierbei sind die 12 Monate vor Geburt entscheidend. Somit sollten Arbeitnehmer bei der „Kinderplanung“ einen rechtzeitigen Steuerklassenwechsel vornehmen bzw. versuchen, Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld oder Prämien auf das Monatsgehalt zu verteilen. So sichert ihr euch einen erheblichen Elterngeldvorteil! Spätestens mit der Abgabe der Einkommensteuererklärung wird ein Ausgleich erfolgen zwischen dem Ehegatten, der Steuerklasse III gewählt hat, und dem, der Steuerkasse V gewählt hat. Durch den Steuerklassenwechsel entsteht kein Steuernachteil.

Auch Selbstständige haben noch eine weitere Möglichkeit, um ihr Nettoeinkommen vor der Geburt zu steigern: Als Einkommen gilt hier der Gewinn, also das, was nach Abzug der Ausgaben vom Umsatz übrig bleibt. Hier gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die Gewinnermittlungsart von einer Einnahmen-Überschussrechnung auf eine Bilanz umzustellen. Wenn dann der Selbständige im Dezember noch viele Ausgangsrechnungen schreibt, aber das Geld erst im Laufe des nächsten Jahres erhält, hat er seinen Gewinn gesteigert und erhält mehr Elterngeld. Die höhere Steuerlast durch das höhere Einkommen in diesem Jahr kann er sich mit der nächsten Steuererklärung zurückholen. Hierdurch kann zwar ein Nachteil durch unseren progressiv verlaufenden Steuersatz entstehen, dieser wird aber in aller Regel durch das höhere Elterngeld wettgemacht.

Steuertipps für Eltern

Nur offizielle Einnahmen und Ausgaben kann man in der Steuererklärung angeben. (Quelle: webandi auf pixabay)

Unabhängig von der Tätigkeit kann man z. B. auch als Haushaltshilfe als Minijobber arbeiten. Die Anmeldung erfolgt problemlos über die Minijobzentrale. Hierbei führt der „Arbeitgeber“ 14,8 % an die Bundesknappschaft ab und kann gleichzeitig 20 % der Gesamtaufwendungen bei der nächsten Steuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer abziehen. (Eine Beispielberechnung findet ihr hier.)

Seid aber vorsichtig bei Verträgen unter nahen Angehörigen wie Eltern oder Geschwistern: Es muss einen Vertrag geben und die Zahlung muss erfolgen. Also nicht einfach angeben, dass Mama vom Sohnemann immer fünf Euro kriegt, wenn sie ihn wickelt, nur damit sie ein höheres Einkommen zur Berechnung des Elterngelds hat. Und den Mindestlohn beachten: Seit diesem Jahr 8,84 Euro/Stunde!

Zum Schluss noch eine Frage an dich als doppelten Insider: Welche Tipps kannst du verraten, die Eltern beim Steuernzahlen helfen?

Gut informieren und den Steuerbescheid gut prüfen! Sehr viele Steuerbescheide enthalten Fehler!

Die Zeiten, in denen ein Sachbearbeiter jede Steuererklärung persönlich bearbeitet und Punkt für Punkt geprüft hat, sind endgültig vorbei. Besteht für das Finanzamt kein Anlass zu einer individuellen Prüfung, darf die Prüfung der Steuererklärung, Steuerberechnung und Steuerfestsetzung vollständig automationsgestützt erfolgen. Die Finanzbeamten sollen sich dadurch auf die wirklich prüfungsbedürftigen Steuerveranlagungen konzentrieren können (§ 155 Abs. 4 und 5 AO).

Modern. aber nicht unbedingt einfacher: die elektronische Steuererklärung. (Quelle: Simon auf pixabay)

Erlaubt ist deshalb der Einsatz eines Risikomanagementsystems, mit dem einzelne Fälle für eine individuelle Prüfung ausgewählt werden. Eine Steuererklärung muss auch dann individuell geprüft werden, wenn der Steuerpflichtige in seiner Steuererklärung entsprechende Angaben macht (§ 88 Abs. 5 AO).

Aber grade dies ist sehr fehleranfällig: Z. B. werden sehr häufig die Sonderausgaben bei den Angehörigen von privat Versicherten falsch angesetzt bzw. nicht berücksichtigt.

Also doch lieber immer den Steuerberater fragen – vor und nach der Steuererklärung und immer, wenn sich Änderungen in der Familie ergeben! Danke dir, Sebastian, für deine wirklich ausführliche Antwort!

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