Warum Schwimmen wichtig ist

Für Kinder und Eltern – auch nach dem Seepferdchen-Abzeichen!

Bild: Schwimmen ist eine überlebenswichtige Fähigkeit. (Quelle: fancycrave1 auf pixabay)

Spätestens wenn die Einschulung bevorsteht, fragen sich Eltern: Wo kann mein Kind schwimmen lernen? In Rheine gibt es dafür fünf Anbieter:

  1. Schwimmkurse oder Nichtschwimmer-Gruppe der Schwimmabteilung des TV Jahn-Rheine
  2. Schwimmkurse der Hallenbäder in Rheine
  3. Schwimmkurse der DLRG-Ortsgruppe Rheine (Hier ist auch eine Übersicht über die Anforderungen für die Schwimmabzeichen zu finden.)
  4. Schwimmkurse des SV Rheine
  5. Das Schwimmangebot der Schulen und den Sport im Ganztag

Lars Steinigeweg verbringt einen Großteil seiner Arbeits- und Freizeit am Beckenrand bzw. mit der Organisation von Schwimmkursen und -training – für Kinder und Erwachsene. Im Interview erklärt er, warum Schwimmen wichtig ist (regelmäßig, auch nach dem Seepferdchen-Abzeichen!), warum wir als Eltern und Großeltern unbedingt schwimmen können sollten, wie wir unseren Kindern am besten Sicherheit im Wasser vermitteln und warum Schwimmflügel nicht immer sinnvoll sind.

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Lars Steinigeweg ist in der Schwimmabteilung des TV Jahn-Rheine verantwortlich für Training und Wettkämpfe und leitet auch Erwachsenenschwimmkurse. Außerdem organisiert er den Sport im Ganztag und begleitet dort den Schwimmunterricht. © TV Jahn-Rheine

Warum sollten wir Erwachsenen schwimmen können, wenn es unser Kind lernt? Um es im Notfall aus dem Baggersee retten zu können?

Soweit sollte es niemals kommen! Wer nicht schwimmen kann, meidet in der Regel aber auch Situationen, in denen Wasser eine Gefahr für die eigenen Kinder oder Enkel werden könnte. Entweder gehen sie mit ihnen nur ins flache Wasser oder an Badeorte, die von Schwimmmeistern oder der Wasserrettung überwacht werden – oder sie halten ihre Kinder ganz vom Wasser fern. Letzteres sehen wir als eigentliches Problem: Wer nicht schwimmen kann, gibt diese Unfähigkeit oft durch genau diese Verhaltensweisen an seine Kinder weiter.

Sind Kinder der Grund, warum Erwachsene in die Schwimmkurse kommen?

Das kann ein Grund sein, ja: Manche haben schlechte Erfahrungen gemacht und sich hinterher nicht mehr ins Wasser getraut. Nun möchten ihre Enkel mit ihnen ins Freibad gehen und sie stellen fest, dass sie dafür schwimmen können möchten.

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Wer mit seinen (Enkel-)Kindern schwimmen geht, möchte auch selbst schwimmen können. (Quelle: platinumportfolio auf pixabay)

Schwimmen ist also wichtig für Eltern, weil wir, wenn wir selbst schwimmen können, weniger Angst vor dem Wasser haben?

Ja, denn eure Angst um euer Kind überträgt sich oft auf euer Kind selbst als Angst vor dem Wasser. Diese Wasserangst ist besonders verbreitet bei Kindern, die den Umgang mit Wasser nicht lernen. Ein Beispiel: Viele Wohnungen haben heute keine Wanne mehr. Das Kind kennt also das Gefühl gar nicht, ganz von Wasser umgeben zu sein. Unter der Dusche wird es zwar nass, steht aber immer noch fest auf dem Boden.

Was ist denn so besonders daran, ganz im Wasser zu sein?

Kinder nehmen besonders den Druck im Wasser wahr, das ist ein fremdes Körpergefühl. Dazu kommen die Widerstände bei jeder Bewegung und der Orientierungsverlust, wenn der Kopf unter Wasser gerät. Schluckt ein Kind einmal Wasser und bekommt Atemnot, wird das Schwimmenlernen erheblich erschwert. Deswegen ist es wichtig, dass das Kind früh den Reflex lernt, die Luft anzuhalten, wenn der Kopf unter Wasser kommt.

Was können wir Eltern tun, damit unser Kind keine Angst vor dem Wasser hat?

Kleine Tricks reichen oft schon: Ihr müsst das Gesicht ja nicht immer nur mit dem Waschlappen waschen, sondern könnt euerm Kind mit der hohlen Hand Wasser ins Gesicht schöpfen. Das Kind merkt dann, dass es trotzdem die Augen öffnen kann und nichts Schlimmes passiert. Im Wasser die Augen zu öffnen, ist für das Schwimmenlernen ganz wichtig, deswegen tragen die Kinder in unserer Schwimmlern-Gruppe auch keine Schwimmbrillen. Eine Schwimmbrille sollte euer Kind erst tragen, wenn es unter Wasser gern die Augen aufmacht. Dann kann es nämlich vom Tauchen meist nicht genug bekommen und dann ist eine Schwimmbrille wirklich sinnvoll – vor allem wenn das Wasser gechlort ist.

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Wenn Kinder oft tauchen, sind Schwimmbrillen sinnvoll. (Quelle: tookapic auf pixabay

Keine Schwimmbrille – kapiert! Und was ist sonst wichtig fürs Schwimmen?

Üben könnt ihr auch das Ausatmen gegen den Widerstand des Wassers. Das könnt ihr euerm Kind beibringen, indem es ins Wasser blubbert. Das geht auch im Planschbecken oder eben in der Badewanne, dafür müsst ihr nicht mal extra schwimmen gehen.

Wie alt sollten Kinder denn sein, wenn sie schwimmen lernen?

In der Jahn-Schwimmabteilung nehmen wir Kinder ab fünf Jahren auf, manche Anbieter fangen schon bei vier Jahren an. Ob euer Kind so weit ist, könnt ihr am besten selbst einschätzen, ihr habt ja auch eigenständig entschieden, ob es reif ist fürs Laufrad oder motorisch in der Lage, ein Bobbycar zu fahren. Schwimmenlernen im weitesten Sinn beginnt schon ab drei Monaten: In Säuglings- und Kleinkindschwimmkursen könnt ihr das Vertrauen eures Kindes ins Wasser am besten stärken – und zusätzlich das Vertrauen eures Kindes in euch und sogar umgekehrt: Auch ihr merkt, dass euer Kind im Wasser zurechtkommt. Babyschwimmen gibt es in Rheine vom TV Jahn, aber auch von anderen Anbietern – googelt einfach mal.

Was haben Kinder, die gar nicht erst Angst vor Wasser entwickeln, anderen voraus beim Schwimmen?

Sie lernen die Bewegungsabläufe im Wasser sehr schnell und probieren von sich aus viel aus. Bei uns in der Schwimmabteilung sprang ein Junge schon mit sieben Jahren Salti vom Ein-Meter-Brett, der ist praktisch im Wasser groß geworden. Andere Kinder in seinem Alter bestehen dagegen auf Schwimmflügel oder ähnlichem – das solltet ihr nicht zu viel oder zu oft gebrauchen.

Warum keine Schwimmflügel?

Erst mal schränken Schwimmflügel die Bewegungsfähigkeit der Arme im Wasser ein. Außerdem gewöhnt sich das Kind daran, dass es nicht mit dem Kopf ins Wasser gerät. Schwimmflügel sind sinnvoll, wenn ihr euch um zwei Kinder gleichzeitig kümmern müsst und mal freie Hände braucht. Aber ihr packt ja eure Kinder auch nicht den ganzen Tag in den Laufstall, weil sie sich in der Wohnung weh tun könnten, sondern passt auf sie auf, wenn sie umherkrabbeln.

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Schwimmflügel können Kinder im Wasser behindern und sollten daher keine Dauerlösung sein. (Quelle: Mariamichelle auf pixabay)

Und wenn unser Kind dann schwimmen kann, verlernt es das nie mehr? Wie Radfahren?

Wenn es einmal richtig schwimmen kann, ist das so. Wenn euer Kind jedoch einen Kurs macht und ihr geht danach nicht oder nicht regelmäßig Schwimmen, kann es seine Fähigkeiten oft nicht einschätzen, überschätzt sich oder fühlt sich unsicher. Wenn Kinder beim Freizeitschwimmen ertrinken, dann oft, weil sie sich zu viel zutrauen: Sie schwimmen im Baggersee zu weit raus oder schätzen die Wucht der Wellen im Meer falsch ein. Übrigens geht das nicht nur Kindern so: Badeunfälle bei Erwachsenen haben meist dieselbe Ursache.

Also helfen wir mit regelmäßigem Schwimmen nicht nur unseren Kindern, sondern auch uns selbst.

Klar, vorausgesetzt, ihr steht nicht nur im Nichtschwimmerbecken neben der Rutsche. Ihr solltet euch natürlich auch die Zeit nehmen, ein paar Bahnen im tiefen Becken zu ziehen. Und es schadet auch nicht, Wasserrutchen und Strudel im Spaßbad auszuprobieren – damit ihr wisst, womit euer Kind es zu tun bekommt.

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Sicherheit im Wasser erhöht die Freude am Schwimmen. (Quelle: Pezibear auf pixabay)

Das erinnert mich an einen CenterParcs-Ausflug, als ich gerade schwimmen konnte: Meine Mutter, selbst Wettkampfschwimmerin und Trainerin, hatte mir sicherheitshalber eine Schwimmweste angezogen, als sie mit mir auf die Wildwasserbahn ging. An einer Stelle, wo sich ein Sog vor einem Buckel bildete, gab es dann keine Möglichkeit für sie, uns beide gleichzeitig über diese Stelle zu bekommen, das Wasser war zu schnell. Für sie allein war die Stelle kein Problem gewesen, als sie die Wildwasserbahn vorher zur Probe allein gerutscht war.

Da sieht man es. Deine Mutter hat eigentlich alles richtig gemacht: ihre eigene Schwimmfähigkeit trainiert, die Bahn vorher getestet, dich gesichert, obwohl du schon schwimmen konntest – trotzdem kann es zu Problemen kommen. Wenn man sich mit einem Gewässer, einer bestimmten Situation oder auch mit Spiel-Elementen im Wasser noch nicht viel Erfahrung hat, hilft es, mit mindestens zwei Erwachsenen schwimmen zu gehen. Das gilt z. B. für den Tag, an dem ihr das erste Mal das jüngere Geschwisterkind zusammen mit dem älteren zum Schwimmen mitnehmt.