„Wem gehört das Gestreifte?“

Meine erste Elternblogger-Konferenz: WestFam in Münster

Am Samstag hatte ich das Vergnügen, mit total authentischen Menschen zusammen die WestFam Elternbloggerkonferenz in Münster genießen zu dürfen. Sie war ein Musterbeispiel dafür, wie man familienfreundliche Kongresse organisiert. Und ich habe einige tolle Mamabloggerinnen kennengelernt mit beeindruckenden Erfahrungen.

WestFam Münster

In einem großzügigen Seminarraum erwarten mich morgens Tee und Kaffee und die herzliche Begrüßung der Organisatoren. Das Du ist hier nicht verhandelbar, schließlich gehören wir alle zur Blogger-Community, und bei den ganzen Kindern, die hier herumrennen, fühle ich mich sowieso gleich wie auf dem Spielplatz. Der Seminarraum ist heute unsere Pausenlounge mit Luftballondeko auf den Gruppentischen, Kindbetreuungsecke und Catering in der Mittagspause. Außerdem haben hier Unternehmen ihre Stände, die Kooperationen mit Eltern-Bloggern eingehen wollen.

WestFam Münster

Kongress mit Kindern, aber ohne Augenverdrehen

Im kleinen Hörsaal sind die Seminartische zur Wickelstation umfunktioniert worden, auch Stillen können die Mütter hier. Im großen Hörsaal finden die Vorträge statt – die immer gnadenlos überzogen werden, weil wir so viele Fragen haben und die Referenten wirklich Freude am Austausch mit uns. Zwischendurch kommen die Kinder rein, tasten mit den Augen die Reihen ab, bis sie ihre Mama oder ihren Papa gefunden haben. Kein genervtes Augenrollen, kein peinlich berührtes „Du sollst doch nicht herkommen!“-Geflüster, Kinder gehören hier dazu und stören keinen. „Wem gehört das Gestreifte?“, fragt die Kinderbetreuerin und deutet auf einen kleinen Jungen in blauweißem Shirt, der prompt anfängt zu weinen, als er seine vermisst geglaubte Mama entdeckt. Alles lächelt: Ach, wir kennen das doch auch …

WestFam Münster

Am Tisch für die Kinderbetreuung warteten viele Beschäftigungsmöglichkeiten auf die Kinder.

Manche Eltern kommen später rein und werden mit einem fröhlichen „Morgen!“ begrüßt. Auch das kennen wir: Pünktlichkeit fällt mit Kindern nicht unbedingt leicht. Manche Eltern haben Säuglinge dabei, andere schon Schulkinder. Insgesamt bin ich beeindruckt, wie gut sich die Kleinen über den Tag halten. Kann auch an der tollen Betreuung liegen: Nachmitags kommt extra noch eine Schminkkünstlerin und verwandelt die Kindergesichter in wandelnde Kunstwerke.

Viel Input von erfahrenen Bloggerinnen

Alle Vorträge höre ich nicht, irgendwann bin ich einfach platt von dem Input. Bea Beste vom Kreativitäts-Blog Tollabea erklärt uns, wie Markenkommunikation funktioniert. Das ist immer spannend für mich, nicht zuletzt beruflich. Nina Strassner übernimmt den Part „Jura für Blogger“ – sie selbst bloggt als Juramama über Familienrechtsthemen, denn ihr Geld verdient sie als Rechtsanwältin. Bei „Bloggen für Anfänger“ lerne ich Rebecca Schwab kennen, 28, dreifache Mutter, erstes Kind mit 17, bloggt, seit sie 12 war. Kaum zu glauben, aber es ist ihr erster Workshop, den sie leitet, und sie ist völlig zu Unrecht meganervös. Ein schöner Beweis, wie wir alle an diesem Tag wertschätzend und auf Augenhöhe miteinander umgehen, ist, dass sie sofort thematisiert, wie nervös es sie macht, dass statt der angekündigten fünf nun rund 25 Leute vor ihr sitzen.

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Marisa Hart (r.) im Interview: Sie bloggt seit viereinhalb Jahren.

Dazwischen wird Marisa Hart interviewt, eine der ersten Family-Bloggerinnen in Deutschland, die ihren Blog mittlerweile zum Familienunternehmen gemacht hat: Sie und ihr Mann haben ihre Jobs aufgegeben und der Blog ist nun das alleinige Familieneinkommen. Vor viereinhalb Jahren hat sie angefangen und heute überlegt sie, ob sie Leute einstellt, um die ganze Arbeit zu schaffen. Denn heute gibt es in Deutschland rund 2.000 Mamablogs, dazu Papa- und Eltern-Blogs. Da muss sie am Ball bleiben und gleichzeitig aufpassen, dass sie sich nicht im Bloggen verliert, sagt sie. Sie vergleicht ihre Kinder mit Zirkuskindern, die auch schon früh mit in der Manege stehen. Ihre Kinder seien eben echte Bloggerkinder, die älteste Tochter bloggt bereits mit, und wenn sie etwas Interessantes entdeckt, dann sagt sie: „Das können wir den anderen Mamas zeigen.“ Die anderen Mamas sind Marisas Leserinnen und die gehören anscheinend zum Leben ihrer Kinder wie Oma und Opa. Als ihre Tochter in die Schule kam, wollte sie sie im Blog aus Rücksicht etwas in den Hintergrund stellen, stieß aber sofort auf den Protest ihrer Tochter, die weiterhin mit dabei sein wollte.

WestFam Münster

Das Catering war abwechslungsreich und lecker.

Schöne Geburt dank guter Kommunikation im Kreißsaal

Den Workshop „Kommunikation im Kreißsaal“ habe ich leider verpasst. Hier haben sich Eltern, ein Arzt und eine Hebamme darüber ausgetauscht, wie man im Kreißsaal besser miteinander reden kann, denn viele werdende Mamas (und Papas) machen offenbar schlechte Erfahrungen: Sie fühlen sich nicht ernst genommen, unter Druck gesetzt, übergangen oder bevormundet. Dazu wollen die Workshop-Teilnehmer nun ein Buche entwickeln.

Tolle Kontakte und Gespräche in den Pausen der WestFam

In den Pausen lerne ich Anna Falcke-Warren kennen, die für eine Social-Media-Agentur mit Bloggern zusammenarbeitet, die Lifestyle-Bloggerin Stephanie Rahn, Vanessa Hüskes, die bald einen Mama-Blog für Aldi Süd betreuen wird und Julia Stroh, die über gesundes Essen, das Kinder mögen, bloggt.

WestFam Münster

In den Pausen konnten Themen vertieft und neue Kontakte geknüpft werden.

Am Ende bin ich wirklich geflasht davon, wie viel kreatives Potenzial, Herzblut und Know-how sich hier versammelt hat. Ich habe eine Menge Denkstoff mitbekommen – und werde den nun wälzen. (Wenn ich z. B. von canva schon früher gewusst hätte, wäre mein E-Book noch sehr viel schöner geworden …) Mal sehen, was dabei herauskommt …

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